Berlin - In der Zeitung "B.Z." äußerte sich die Mutter, gegen die wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht ermittelt wird, zu den Gründen ihres Auszugs: "Der Vater meiner Kinder ließ mich sitzen, ich verlor meine Arbeit."
Außerdem erklärte sie: "Auch wenn ich mich nicht gekümmert habe, meine Kinder waren nicht verwahrlost. Ich sah sie vielleicht zwei Tage die Woche, habe Weihnachten und alle Geburtstage mit ihnen gefeiert. Sie wurden weder geschlagen, noch mussten sie hungern."
Die 46-jährige Frau hatte ihre vier Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren in ihrer Wohnung im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg allein gelassen, war zu ihrem Freund gezogen. Fast ein Jahr lang waren die Kinder auf sich allein gestellt.
Der älteste Junge wandte sich schließlich hilfesuchend an die Behörden. Der Polizei bot sich beim Betreten der Wohnung ein erschreckender Anblick: In allen Räumen Müll, riesige Spinnweben an den Decken, im Kühlschrank lagen verfaulte Lebensmittel, die Toilette war verdreckt und mit Kot bedeckt.
Das zuständige Jugendamt schließt trotz des Verdachts der Vernachlässigung eine Familienzusammenführung nicht aus.
Wichtig sei vor allem, dass die Kinder zusammenbleiben, sagte ein Mitarbeiter des Bezirksmatesamtes Pankow der "Berliner Morgenpost": "Würde das Amt die Vormundschaft übernehmen, wäre es schwierig, eine Pflegefamilie zu finden, die alle vier aufnimmt. Dann bliebe nur noch eine Trennung der Geschwister oder die gemeinsame Unterbringung in einem Heim", sagte ein Behördenmitarbeiter.
Auch nach Ansicht des Deutschen Kinderschutzbundes sollten die Kinder in die Obhut ihrer Mutter zurückkehren. "Man darf sie nur auf keinen Fall wieder allein lassen mit den Kindern", sagte die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Paula Honkanen-Schoberth. Behörden sollten überforderten Eltern mehr Hilfe anbieten, statt mit Sanktionen zu drohen.
pad
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