Video-Überwachung Polizisten sollen Helm-Kameras tragen

Sicherheit mit Köpfchen: Das britische Innenministerium plant, Polizei-Helme mit Videotechnik auszurüsten. Gleichzeitig wehrt sich das BKA gegen Kritik, sein 200.000 Euro teurer Großversuch zur automatischen Terroristenerkennung sei überflüssig gewesen.


Hamburg - Die Mini-Digital-Kameras sollen nach Plänen des britischen Innenministeriums an den Helmen der Streifen-Polizisten in England und Wales befestigt werden, wie der "Guardian" heute berichtete. Die Behörde verspreche sich davon, bei handgreiflichen Auseinandersetzungen aussagekräftigeres Beweismaterial gegen die Täter sammeln zu können.

Überwachungskamera in Großbritannien: Beweismaterial sammeln
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Überwachungskamera in Großbritannien: Beweismaterial sammeln

Die Geräte könnten bis zu 400 Stunden Material aufnehmen, die Akkus versorgten die Kameras bis zu zwölf Stunden mit Strom, hieß es. Der Entscheidung, die Technik anzuschaffen, seien Testreihen mit 300 Polizisten und 50 Kameras vorausgegangen, meldete die Zeitung. Der Polizeiminister, Tony McNulty, kündigte dem Bericht zufolge an, drei Millionen Pfund für die Video-Aufrüstung bereitzustellen. Damit könnte jede Polizeibehörde acht Kameras anschaffen.

Unterdessen verwahrte sich das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) gegen Kritik, die gestern an den Ergebnissen ihres Video-Überwachungs-Feldversuchs laut geworden war. Der Geschäftsführer eines der drei Unternehmen, deren Technik am Mainzer Hauptbahnhof, monatelang erprobt wurde, hatte SPIEGEL ONLINE gesagt, die über 200.000 Euro teure Versuchsreihe sei verzichtbar gewesen, weil sie lediglich die erwarteten Ergebnisse zutage gefördert hätte.

Ein Sprecher des BKA trat dem heute entschieden entgegen: "Der Test war ganz und gar nicht überflüssig. Es ist unsere Aufgabe, neue Technologien zu erproben. Wir können uns nicht einfach auf die Angaben von anderen verlassen", sagte BKA-Sprecher Christian Brockert SPIEGEL ONLINE. "Der Versuch ist weder gescheitert, noch ist er sinnlos gewesen. Er hat im Gegenteil gezeigt, dass die Erkennungsleistungen der Systeme für einen polizeilichen Einsatz noch zu niedrig sind."

Das Bundeskriminalamt hatte in einem Feldversuch zwischen dem 9. Oktober 2006 und dem 31. Januar 2007 täglich rund 23.000 Reisende im Mainzer Hauptbahnhof gefilmt und mit einer speziell für das Projekt angelegten "Fahndungsdatei" mit Lichtbildern abgeglichen. Im Schnitt hätten die Kameras nur 30 Prozent der Gesuchten erkennen können, weshalb BKA-Präsident Jörg Ziercke die Technik gestern als noch nicht einsatztauglich bezeichnet hatte.

jdl



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