Getöteter Teenager Trayvon Martin Neues Video facht Streit über Schuldfrage an

Wurde der 17-jährige US-Bürger Trayvon Martin kaltblütig erschossen? Der Mann, der die Waffe zog, behauptet: Es war Notwehr, er sei angegriffen worden. In einem jetzt veröffentlichten Polizeivideo sind Wunden aber nicht zu erkennen.

ABC News

Sanford - Die Videosequenzen stammen aus Kameras einer Polizeistation und wurden nun von dem US-Sender ABC veröffentlicht. Sie zeigen, wie George Zimmerman, der in der Stadt Sanford im US-Bundesstaat Florida den schwarzen Teenager Trayvon Martin erschossen hat, aus einem Polizeiwagen steigt und von Beamten in das Gebäude geführt wird. Auf den Aufnahmen, die in der Tatnacht kurz nach der Festnahme des Todesschützen entstanden, kann man ziemlich deutlich Zimmermans kahlgeschorenen Kopf sehen - aber keine blutenden Wunden. Auch lassen sich auf der Kleidung des Mannes keine Blutspuren feststellen.

Dabei hatte Zimmerman behauptet, den 17-Jährigen aus Notwehr erschossen zu haben. Der Jugendliche habe ihn angegriffen und seinen Kopf mehrfach auf den Bürgersteig geschlagen, berichtete der Todesschütze der Polizei. Beamte, die vor Ort im Einsatz gewesen waren, sagten aus, der 28-Jährige habe aus der Nase und am Hinterkopf geblutet. Seinem Anwalt zufolge wurde Zimmerman von Martin die Nase gebrochen.

"Das sieht sich nicht nach einem Mann aus, dem laut Polizei die Nase gebrochen wurde und dessen Kopf mehrfach auf den Bürgersteig geknallt wurde", sagt Benjamin Crump, ein Anwalt für Bürgerrechte, der Martins Familie vertritt. Zimmermans Anwalt Craig Sonner war laut ABC nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Allerdings lässt die Qualität des Videos nicht den gesicherten Schluss zu, dass Zimmerman tatsächlich unverletzt ist. Der 28-Jährige wurde laut ABC am Ort des Geschehens von Rettungskräften behandelt - möglicherweise konnten sie vorhandene Blutungen stoppen.

Abgeordneter wegen Kapuzenjacke gerügt

Martin war am 26. Februar von Zimmerman, einem Weißen mit hispanischen Wurzeln, erschossen worden. Der Jugendliche war unbewaffnet, Zimmerman befand sich als Mitglied einer Bürgerwehr auf privater Patrouille. Die genauen Umstände sind unklar, der Fall löste eine landesweite Kontroverse um Rassismus und laxe Waffengesetze aus.

Im US-Repräsentantenhaus sorgte am Mittwoch ein Abgeordneter für Aufsehen. Der Demokrat Bobby Rush aus Illinois trug zum Gedenken an den Getöteten eine Kapuzenjacke und Sonnenbrille - und wurde dafür gerügt. Zur Begründung hieß es, Rush verletze mit der Kapuze über dem Kopf und der Brille die Kleidungsvorschriften. Sollte er diese nicht beachten, müsse er das Parlament verlassen.

Martin hatte einen Kapuzenpullover getragen, als er getötet wurde. Rush kritisierte im Repräsentantenhaus Gewalt aus rassistischen Motiven. "Zu oft wird auf den Straßen unseres Landes solche Gewalt angewendet, wie sie zum Tod Trayvon Martins führte", beklagte der Demokrat.

siu/Reuters/AFP



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