Vor dem Kapitol Polizei erschießt Frau nach Verfolgungsjagd in Washington

Vor dem Kapitol in Washington sind Schüsse gefallen. Dort endete eine Verfolgungsjagd zwischen einer Frau und Polizisten. Die Flüchtende wurde erschossen. In ihrem Auto saß ein einjähriges Kind.


Washington - Dramatische Szenen am Kapitol in Washington: Nachdem vor dem Bau im Herzen Washingtons am Donnerstag mehrere Schüsse fielen, wurde der Sitz von Senat und Repräsentantenhaus zeitweise abgeriegelt.

Ausgangspunkt des Vorfalls war offenbar das Weiße Haus, der Sitz des US-Präsidenten. Zwei Augenzeugen berichteten SPIEGEL ONLINE, eine Fahrerin in einem schwarzen Infiniti Coupé habe sich einem südöstlichen Eingang genähert. Secret Service Personal habe dann auf den Wagen geklopft, die Frau habe nicht reagiert. Hinter dem Wagen sei anschließend ein Sperrzaun errichtet worden. Die Frau aber habe gewendet und die Sperre durchbrochen. Es habe ausgesehen, als sei sie erschrocken. Sie sei dann Richtung Kapitol geflüchtet, verfolgt vom Secret Service.

Ecke Constitution-First Street nordwestlich des Kapitols kam die Verfolgungsjagd zum Ende, offenbar blockierte ein Polizeiwagen der Flüchtenden den Weg. Die Polizisten sollen das Feuer eröffnet haben. Die Frau wurde tödlich getroffen, berichten die "Washington Post" und "New York Times" unter Berufung auf offizielle Quellen. Die Polizei von Washington bestätigte ihren Tod. In dem Auto saß demnach auch ein einjähriges Kind, das in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Bei der Verfolgungsjagd rammte die Verdächtige den Angaben zufolge ein Polizeiauto. Dabei sei ein Polizist verletzt worden, so dass er zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden musste, sagte Kim Dine, Leiter der Kapitol-Polizei. Schusswunden habe aber kein Beamter erlitten. Es wurden Bilder eines Beamten auf einer Trage gezeigt.

"Dies scheint ein isolierter Zwischenfall zu sein", sagte Dine. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es nicht. Sowohl am Weißen Haus als auch am Kongressgebäude sei die Lage "unter Kontrolle", sagte er.

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USA: Schüsse vor dem Kapitol
Präsident Obama wurde informiert

Unterdessen wurde die Abriegelung des Kapitols wieder beendet. "Nachdem der Lockdown aufgehoben wurde, kommen Abgeordnete und Senatoren aus den Gebäuden", berichtet SPIEGEL ONLINE-Reporter Sebastian Fischer. Capitol Hill sei weiterhin weiträumig abgesperrt, rund ums Parlament herrsche ein Verkehrschaos. "Pick-up-Trucks mit schwerbewaffneten FBI-Beamten, SUVs mit Capitol Hill Police halten die Stellung."

Unmittelbar nachdem die Schüsse fielen, hatten Sicherheitsbehörden Politiker und Mitarbeiter im Kapitol aufgefordert, das Gebäude nicht zu verlassen. Sie sollten auch nicht in die Nähe von Fenstern gehen. Menschen, die davor standen, wurden von Sicherheitsleuten ins Innere gebracht.

Das Fernsehen zeigte Bilder von zahlreichen Polizeiautos vor dem Kapitol. Das Gebäude im Herzen Washington beherbergt den Senat und das Repräsentantenhaus. Dort streiten Republikaner und Demokraten derzeit über den Haushalt der USA. Präsident Barack Obama wurde über den Vorfall informiert.

Erst vor zweieinhalb Wochen wurde die US-Hauptstadt Schauplatz einer blutigen Schießerei. Der 34 Jahre alte Aaron Alexis hatte in einem Kommandozentrum der Marine das Feuer eröffnet und 12 Menschen getötet. Er wurde dann selbst von Sicherheitskräften erschossen.

suc/vks/dpa/AFP



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