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Vorwurf der Gotteslästerung: Britische Regierung will Auspeitschung von Lehrerin verhindern

Mit ihren Schülern taufte Gillian Gibbons einen Teddybären auf den Namen Mohammed. Nun drohen der britischen Lehrerin einer Privatschule im Sudan Peitschenhiebe und eine Haftstrafe. Die Regierung von Premier Brown setzt sich für ihre Freilassung ein.

Hamburg - Britische Diplomaten bemühen sich, "die Situation zu klären, so dass sie freigelassen werden kann", wie Regierungschef Brown heute laut BBC sagte. Seine Angaben zufolge hätten Diplomaten Kontakt zu der Familie der Inhaftierten aufgenommen. Was geschehen sei, täte ihr sehr leid, sagte Brown dem Sender.

Lehrerin Gibbons: "Das ist ein völliges Missverständnis"
REUTERS

Lehrerin Gibbons: "Das ist ein völliges Missverständnis"

Unterdessen erklärte ein Sprecher der sudanesischen Botschaft in London, er habe zwar noch nicht mit den Ermittlern sprechen können. Jedoch sehe das übliche Verfahren eine Befragung der Verdächtigen durch die Behörden vor. "Der kulturelle Hintergrund ist sehr unterschiedlich, das ist ein sehr wichtiger Punkt", so Khalid al-Mubarak gegenüber der BBC. Er halte den Vorfall jedoch für das Resultat der Beschwerden aufgebrachter Eltern. "Es ist eigentlich ein Sturm im Wasserglas."

Doch was ist eigentlich geschehen? Die Mehrheit der Grundschüler hatten sich für das Klassenmaskottchen, ein Teddybär, den Namen "Mohammed" gewünscht. So inszenierte Gillian Gibbons eine kleine Zeremonie im Klassenzimmer der englischen Privatschule "Unity High School" im islamisch dominierten Khartum, bei der das Stofftier auf den Namen des Propheten getauft wurde.

Als die Eltern der Sechsjährigen, überwiegend ausgewanderte Fachkräfte und Ölarbeiter, davon erfuhren, sollen sie sich empört gezeigt und beim Bildungsministerium beschwert haben, berichtet "The Guardian". Daraufhin wurde die 54-jährige Pädagogin verhaftet. Ihr drohen 40 Peitschenhiebe und eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten. Ihr wird vorgeworfen, die Ehre des islamischen Religionsstifters und Propheten verletzt zu haben.

Religiöse Fanatiker wüten Medienberichten zufolge vor dem Gefängnis und drohen mit Rache. Gibbons' Kollegen vermuten eine Intrige hinter dem Vorfall. Es habe keine Beschwerden von Seiten der Eltern gegeben, erzählten sie "Times Online". Vielmehr könne ein verärgerter Kollege dahinterstecken.

Gillian Gibbons war im Juli von Liverpool in den Sudan gezogen. Es sollte ein Neuanfang werden, nachdem sie sich nach 33 Ehejahren von ihrem Mann getrennt hatte und eine neue Kultur kennenlernen und leben wollte. "Sie hatte geplant, zwei Jahre in Afrika zu bleiben", sagte ein Nachbar in Aigburth, dem Vorort Liverpools, in dem Gibbons lebt, "Times Online". Gibbons Familie und Freunde, heißt es, sorgten sich sehr um ihr Wohl. Ihr Ex-Mann Peter, selbst Schuldirektor, sowie ihre beiden Kinder John, 25, und Jessica, 27, wollten sich nicht öffentlich zu dem Fall äußern.

Die Polizei habe regelrecht das Schulgelände, auf dem auch die Lehrkräfte leben, gestürmt, sagte Schuldirektor Robert Boulos "Times Online". "Das ist ein völliges Missverständnis. Miss Gibbons wollte niemals den Islam beleidigen."

Ein siebenjähriges Mädchen habe den Stoffteddy im September mit in die Schule gebracht. Schnell sei er zum Klassenmaskottchen geworden und jedes Wochenende in einem anderen Schulranzen nach Hause gewandert. Die Kinder hätten eifrig Tagebuch darüber geführt, was der Bär zu Hause erlebte. Dieses Tagebuch wurde jetzt konfisziert, die kleine Besitzerin vernommen.

Die Schule ist vorerst bis Ende Januar geschlossen - aus Angst vor fanatischen Angriffen.

jjc/jdl

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