Vorwurf der Gotteslästerung Lehrerin wegen Teddy Mohammed in Haft

Mit ihren Schülern taufte Gillian Gibbons einen Teddybären auf den Namen Mohammed. Nun sitzt die britische Lehrerin einer Privatschule im Sudan im Gefängnis. Ihr drohen Peitschenhiebe und eine Haftstrafe - wegen Gotteslästerung.


Hamburg - Die Mehrheit der Grundschüler hatten sich für das Klassenmaskottchen den Namen "Mohammed" gewünscht. So inszenierte Gillian Gibbons eine kleine Zeremonie im Klassenzimmer der englischen Privatschule "Unity High School" im islamisch dominierten Khartum, bei der das Stofftier auf den Namen des Propheten getauft wurde.

Lehrerin Gibbons: "Das ist ein völliges Missverständnis"
REUTERS

Lehrerin Gibbons: "Das ist ein völliges Missverständnis"

Als die Eltern der Sechsjährigen, überwiegend ausgewanderte Fachkräfte und Ölarbeiter, davon erfuhren, sollen sie sich empört gezeigt und beim Bildungsministerium beschwert haben, berichtet "The Guardian". Daraufhin wurde die 54-jährige Pädagogin verhaftet. Ihr drohen 40 Peitschenhiebe und eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten. Ihr wird vorgeworfen, die Ehre des islamischen Religionsstifters und Propheten verletzt zu haben.

Religiöse Fanatiker wüten Medienberichten zufolge vor dem Gefängnis und drohen mit Rache. Gibbons' Kollegen vermuten eine Intrige hinter dem Vorfall. Es habe keine Beschwerden von Seiten der Eltern gegeben, erzählten sie "Times Online". Vielmehr könne ein verärgerter Kollege dahinterstecken.

Gillian Gibbons war im Juli von Liverpool in den Sudan gezogen. Es sollte ein Neuanfang werden, nachdem sie sich nach 33 Ehejahren von ihrem Mann getrennt hatte und eine neue Kultur kennenlernen und leben wollte. "Sie hatte geplant, zwei Jahre in Afrika zu bleiben", sagte ein Nachbar in Aigburth, dem Vorort Liverpools, in dem Gibbons lebt, "Times Online". Gibbons Familie und Freunde, heißt es, sorgten sich sehr um ihr Wohl. Ihr Ex-Mann Peter, selbst Schuldirektor, sowie ihre beiden Kinder John, 25, und Jessica, 27, wollten sich nicht öffentlich zu dem Fall äußern.

Die Polizei habe regelrecht das Schulgelände, auf dem auch die Lehrkräfte leben, gestürmt, sagte Schuldirektor Robert Boulos "Times Online". "Das ist ein völliges Missverständnis. Miss Gibbons wollte niemals den Islam beleidigen."

Ein siebenjähriges Mädchen habe den Stoffteddy im September mit in die Schule gebracht. Schnell sei er zum Klassenmaskottchen geworden und jedes Wochenende in einem anderen Schulranzen nach Hause gewandert. Die Kinder hätten eifrig Tagebuch darüber geführt, was der Bär zu Hause erlebte. Dieses Tagebuch wurde jetzt konfisziert, die kleine Besitzerin vernommen.

Die Schule ist vorerst bis Ende Januar geschlossen - aus Angst vor fanatischen Angriffen.

jjc



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