Vergewaltigung angeblich nur erfunden Deutsche soll saudischen Scheich erpresst haben

Eine 34-jährige Deutsche ist nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Sohn eines saudischen Scheichs selbst ins Visier der US-Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Erpressung vor.


Los Angeles - Die Vorwürfe, die eine Deutsche im US-Bundesstaat Kalifornien gegen den Sohn eines saudischen Scheichs vorbrachte, waren schwerwiegend: Der Mann habe sie geschlagen, vergewaltigt und sie mit einer glühenden Zigarette verbrannt, sagte die 34-Jährige laut "Los Angeles Times" im März der US-Polizei. Zudem habe er sie in seiner Wohnung gefangen gehalten.

Nun ist die junge Frau selbst ins Visier der Justiz geraten. Die Anschuldigungen waren nach Meinung der Ermittler erfunden, sie soll mit den Vorwürfen versucht haben, mindestens 15 Millionen Dollar zu erpressen. Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles leitete jetzt ein Strafverfahren gegen Leyla O. und ihre beiden Anwälte ein.

Das Trio soll Scheich Monsur Albalwi, laut Staatsanwaltschaft einen der reichsten Männer Saudi-Arabiens, zur Zahlung einer Millionensumme gedrängt haben. Im Gegenzug wollten sie zusichern, dass O. nicht gegen den 23-jährigen Sohn aussagen werde.

Verbrennungen angeblich selbst zugefügt

Laut "Los Angeles Times" war die Deutsche die persönliche Assistentin des Scheich-Sprosses und soll den jungen Mann in eine Beziehung gelockt haben. Die Frau soll sich mit einer Zigarette Verbrennungen am Arm zugefügt haben, um ihre Vorwürfe zu untermauern. Nach ihrer Aussage und auf Grundlage einer ärztlichen Untersuchung war der Mann wegen sexueller Nötigung in vier Fällen angeklagt worden; nur gegen Kaution kam er wieder auf freien Fuß.

Im Juni soll einer der Anwälte dem Scheich nach Meinung der Staatsanwaltschaft mitgeteilt haben, dass seine Mandantin die Anzeige für 15 Millionen Dollar fallen lassen könne - dann sei "der Fall erledigt". Der andere Anwalt habe in einem separaten Gespräch die Einzahlung von 20 Millionen Dollar auf ein Konto in der Schweiz verlangt.

Vergangenen Donnerstag wurde das Trio schließlich festgenommen. Der Vorwurf: versuchte Erpressung und Behinderung der Justiz. Am Freitag stellte ein Richter das Verfahren gegen den Scheich-Sohn ein. Der Deutschen und ihren beiden Anwälten drohen bis zu vier Jahre Haft.

Schriftlich teilten die Anwälte des Scheichs mit, die Albalwi-Familie sei das Ziel eines ausgefeilten, internationalen Erpressungsversuchs geworden. Das habe die Untersuchung gezeigt.

Von der Deutschen gibt es bislang keine Stellungnahme.

rls/AFP/AP

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