Wachkoma-Patient Ehefrau gesteht versuchte Sterbehilfe

Er lag nach einem Unfall im Wachkoma: Aus Mitleid versuchte eine Frau ihren schwer kranken Ehemann zu töten. Vor dem Landgericht Ellwangen rechtfertigte die 49-Jährige nun ihr Handeln.


Ellwangen - Im Prozess wegen vereitelter Sterbehilfe vor dem Landgericht Ellwangen hat die Angeklagte zum Prozessauftakt am Dienstag einen Tötungsversuch an ihrem Ehemann eingeräumt. Sie habe zum Tatzeitpunkt gedacht: "Ich helfe dir jetzt", sagte die 49 Jahre alte Frau aus. Sie habe ihrem im Wachkoma liegenden Mann beim Waschen seines Gesichts einen Waschlappen "auf den Mund gedrückt". In diesem Moment habe er ihr aber mit einem durchdringenden Blick eine Art Stoppsignal gegeben, sodass sie von ihm abgelassen habe. "Das war der Auslöser aufzuhören. Er hat mir gezeigt, dass er das alleine macht."

Die Frau bestritt zugleich einen Tatvorsatz. Es habe sich um eine spontane Entscheidung gehandelt, betonte sie. Sie habe mit ihrem Mann mehrfach vereinbart, dass im Falle einer Erkrankung der jeweils andere ein "Dahinvegetieren" verhindern solle. "Ich habe ihm versprochen, dass ich es nicht zulasse", sagte die Angeklagte. Auch für die Vorsitzende Richterin war kein anderes Motiv ersichtlich, als dass die Angeklagte ihrem Mann helfen wollte.

Die Tat ereignete sich im November 2008 in Bad Mergentheim. Der Mann hatte irreversible Hirnschädigungen und keine Aussicht auf eine Wiedererlangung des Bewusstseins. Ein mitangeklagter, dem Komapatienten nahestehender 27 Jahre alter Mann soll tatenlos zugesehen haben. Ihm wird deshalb unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Vor Gericht schwieg er zu den Vorwürfen.

Laut Anklage wurde der Erstickungsversuch von einem Pfleger vereitelt. Der Mann der Angeklagten starb zwei Tage später an den Folgen der Vorerkrankung.

Zu dem Verfahren sind sieben Zeugen und ein Sachverständiger geladen. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

jjc/dpa



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