Todesfälle durch Schusswaffen Viel mehr Suizide als Morde

33.000 Menschen sterben in den USA jährlich durch Schusswaffen - bei nur etwa einem Drittel davon handelt es sich um Mordfälle. Die Infografik der Woche.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Die Zahl der Todesfälle durch Waffengewalt ist in den USA enorm hoch, immer wieder schockieren sogenannte Shootings mit vielen Toten die Öffentlichkeit. Allerdings gerät bei diesen aufsehenerregenden Fällen ein Fakt in den Hintergrund: Von den durchschnittlich rund 33.000 jährlichen Todesfällen durch Schusswaffen sind zwei Drittel Suizide.

Die entsprechenden Daten hat das Internetportal FiveThirtyEight gesammelt, der Hauptsatz stammt vom US-Gesundheitsamt. Um die Waffengewalt zu dokumentieren, flossen Erhebungen aus den Jahren 2012 bis 2014 für alle 50 US-Bundesstaaten und den District of Columbia ein.

Vor allem Männer greifen demnach in den Vereinigten Staaten zu Schusswaffen, um sich das Leben zu nehmen (etwa 85 Prozent der Fälle); mehr als die Hälfte der Betroffenen ist älter als 45 Jahre.

Zum Vergleich: Der vorsätzlichen Selbstbeschädigung durch Feuerwaffen, wie es in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes heißt, fielen 2014 in Deutschland 517 Menschen zum Opfer. Pro Einwohner fällt der Wert in den USA damit mehr als zehnmal so hoch aus.

Knapp 12.000 Menschen werden in den USA jährlich mit einer Schusswaffe ermordet, wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt. Mehr als die Hälfte der Opfer sind junge Männer zwischen 15 und 34 Jahren, von denen wiederum zwei Drittel Afroamerikaner sind.

Frauen werden deutlich weniger oft Opfer eines Mordes mit einer Schusswaffe: Etwa 1700 Frauen ab 15 Jahren werden pro Jahr in den USA erschossen - viele der Fälle stehen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.

Die Zahl der Toten durch Terrorismus und Amokläufe, die zu den Mordfällen gerechnet werden, beläuft sich zusammen auf etwa 80 pro Jahr. Der Rest sind Unfälle (550) sowie ungeklärte oder nicht eindeutig zuzuordnende Fälle (270). Laut US-Gesundheitsamt sterben zudem jährlich etwa 50 Ausländer durch Schusswaffen. In der offiziellen Statistik werden diese Fälle jedoch nicht erfasst.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

loe/pst



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
drool 19.11.2016
1. Daten sind eit etlichen Jahren bekannt.
Besonders erstaunlich ist, daß die große Anzahl von Waffenverbrechen fast ausschließlich von einer vergleichsweise winzigen Minderheit in eng begrenzten Gebieten begangen werden. Die überwiegende Anzahl der Fälle sind "gang related" also durchgeführt von Banden-Mitgliedern gegen Mitglieder anderer Gangs. Primär Schwarze gegen Schwarze oder Hispanics gegen Hispanics (die in den Statistiken als Weiße gezählt werden). Es geht um Gebietskämpfe und Drogen. Überfälle, Raub und andere Verbrechen folgen erst mit einigem Abstand. Die Gesamtzahl der Suizide ist in den USA übrigens nicht höher als in Europa - nur das Tatmittel ist häufiger eine Schußwaffe. Weitere - bestens belegte - Daten unter gunfacts.info
vanayulmaiel 19.11.2016
2. Zwar eine Erkenntnis,
aber nicht weniger schlimm. Die Suizide hätten vielleicht auch auf andere Weise stattgefunden, aber dennoch waren sie durch die Selbstverständlichkeit, in den USA eine Waffe zu nutzen erheblich unterstützt worden. Auch die Zahl der Morde sind weitaus mehr und erschütternd. In welche Kategorie fallen den Tote durch Polizeiwaffengewalt?
quark2@mailinator.com 19.11.2016
3.
Tja, wenn man alt ist und nicht in eines dieser Heime will, wo eine Person zeitweise für 2 Etagen verantwortlich ist (selbst mehrfach gesehen) ... aber wir sind ja so human, den Menschen eine schnelle Lösung zu versagen und erzwingen langsames Sterben. Zyniker meinen, eine zu hohe Suizid-Rate in der Statistik würde nur das Land schlecht dastehen lassen. Ehrlich gesagt finde ich das eine der schlimmsten Tatsachen des heutigen Reallebens. Jeder sollte Recht und Möglichkeit haben, sein Leben zu gestalten, wie er es möchte, solange es anderen nicht schadet.
hansgustor 19.11.2016
4. 50 mal
Dann rechnen wir mal auch die Selbstmorde in Deutschland raus, dann ist die Wahrscheinlichkeit in den USA erschossen zu werden sogar 50 mal höher als hier.
sarkasmis 19.11.2016
5. Lokführer
In Deutschland überfährt statistisch glaube ich jeder Lokführer einmal im Leben einen Menschen. Viele werden davon massivst traumatisiert. Ganz abgesehen von Fahrgästen die eine völlig zerissene Leiche sehen müssen und zuletzt auch den volkswirtschaftlichen Folgen. Als ich meinen Wehrdienst ableistete hat sich auf meiner Strecke regelmäßig jemand gedacht, er müsse sich ausgerechnet im Sommer, am Freitag mittag aufs Gleis legen. Ich wäre froh gewesen, wenn sich diese Menschen im stillen Kämmerlein selbst getötet hätten. Es gibt ein Recht auf Suizid, aber keines darauf damit andere Menschen zu behelligen. Die USA sind in der Hinsicht weiter. Waffen sind für eine Gesellschaft kein besonderes Problem, wenn sichergestellt ist, dass die Waffenbesitzer vernünftige und anständige Leute sind.
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