Waffenschmuggel Staatsanwaltschaft bremste Verfahren gegen Gaddafi-Sohn

Neuer Wirbel um Libyens Herrschersippe: Die Staatsanwaltschaft München hat nach SPIEGEL-Informationen ihre Ermittlungen gegen einen Sohn von Diktator Gaddafi eingestellt - obwohl es konkrete Zeugenaussagen wegen Waffenschmuggels gab.


Hamburg - Die Staatsanwaltschaft München I gerät bei ihrem Ermittlungsverfahren gegen Saif al-Arab al-Gaddafi, 29, in Erklärungsnot. Der Sohn des libyschen Staatschefs stand im Verdacht, Waffen geschmuggelt zu haben. Zeugen hatten 2008 exakte Angaben zum Transport eines Sturmgewehrs und eines Revolvers sowie von Munition in einem Diplomatenauto der Libyschen Botschaft von München nach Paris gemacht.

Dennoch war Saif al-Arab al-Gaddafi selbst nie vernommen worden. Auch eine Hausdurchsuchung wurde abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt.

Die Münchner Polizei war von der Staatsanwaltschaft im Laufe ihrer Nachforschungen angewiesen worden, die Arbeit ruhen zu lassen, um Ermittlungen gegen andere Verdächtige in einer Drogensache nicht zu gefährden.

Polizisten sprachen deshalb nach Informationen des SPIEGEL intern von politischer Intervention. Die Staatsanwaltschaft begründete die Einstellung unter anderem mit dem Hinweis, es könne sich bei den fraglichen Waffen um Attrappen gehandelt haben. Es habe keinen ausreichenden Tatverdacht gegeben. Die libysche Botschaft äußerte sich nicht zu dem Verfahren.

Saif al-Arab al-Gaddafi hat alle bisher gegen ihn erhobenen Vorwürfe immer bestritten. Der in München lebende Herrschersohn hatte sich im August 2007 mit Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer im Hotel Bayerischer Hof zum Abendessen getroffen; dort sei ihm nach Polizeiangaben das deutsche Rechtssystem erläutert worden.

bim



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insgesamt 75 Beiträge
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weltbetrachter 05.02.2011
1. So geht das also ...
Abendessen in der Führungsetage und schon werden Ermittlungen eingestellt. Ist ja toll, das ich mir den Golf-Kursus sparen kann.
Matthias Hofmann 05.02.2011
2. Ja ja, so gibt es eben immer wieder
Zitat von sysopNeuer Wirbel um Libyens Herrschersippe: Die Staatsanwaltschaft München hat nach SPIEGEL-Informationen ihre Ermittlungen gegen einen Sohn von Diktator Gaddafi eingestellt - obwohl es konkrete Zeugenaussagen wegen Waffenschmuggels gab. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,743748,00.html
Gleiche und solche die etwas "gleicher" sind. Gibt es in München übrigens schon in langer Tratition (F.J. Strauß & Sohn etc.)
Michael KaiRo 05.02.2011
3. Wow - megagroßer Waffenhandel!
---Zitat von SPON--- Der Sohn des libyschen Staatschefs stand im Verdacht, Waffen geschmuggelt zu haben. Zeugen hatten 2008 exakte Angaben zum Transport *eines* Sturmgewehrs und *eines* Revolvers sowie von Munition in einem Diplomatenauto der Libyschen Botschaft http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,743748,00.html ---Zitatende--- Wow, das ist ja ein megagroßer Waffenhandel! Sofort dem Land Libien den krieg erklären. Also ich bin wahrlich kein Freund dieser Gadaffi-Misspoke, aber um solch ein Pillepalle sollte sich unsere Justiz sowie Polizei wahrlich nicht kümmern. Klagt mal lieber ein paar Bankster an - das AG-Recht gibt es locker her.
hilfloser, 05.02.2011
4. Der Herr Staatsanwalt
wird sich an den "Schweizer Fall" erinnert haben wo einem Ghaddafi Sohn der Prozeß gemacht wurde wegen Körperverletzung. Da hat der Herr Papa einfach mal den Ölhahn oder war es Gas, abgedreht und die Schweiz hatte einen Rohstoffengpaß. Das will man natürlich nicht in Deutschland, dafür beugt man halt das Recht so a bissle. Und da der Herr Sohnemann ja auch mit einer Waffenattrappe ( ich lach mich tot ) von A nach B fuhr muß man da mal ein Auge zudrücken. Ich denke aber es gibt durchaus größere Verwerfungen die dem Deutschen Harmoniefanatismus geschuldet sind als diese. Zumal ich annehme das Ghaddafies Sohn nie ohne schwerbewaffnete Bodyguards aus dem Hause geht und sich wohl eher selbst verletzt hätte wenn er mit den Dingern gespielt hätte.
bienlein 05.02.2011
5. unwürdig
es ist doch immer das gleiche spiel; unsere politiker kooperieren mit diktaturen, solange deutsche interessen damit geschützt werden. lehnt das volk dieser diktaturen sich auf, herrscht erst einmal abwartende hilflosigkeit. und dann folgen erbärmliche ratschläge vom "friedlichen und geordneten übergang". menschen wurden mit wissen und aktiver duldung unserer politik über jahrzenhte geschunden und gequält. und diesen menschen sollen nun ratschläge unserer politiker befolgen? es kann einem nur noch übel werden und man kann sich nur noch angewidert abwenden.
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