Wald in Michigan Ermittler graben nach bis zu sieben Mädchenleichen

Vor knapp 40 Jahren verschwand die zwölfjährige Kimberly King. Nun graben Ermittler in einem Waldstück im US-Bundesstaat Michigan - und rechnen mit bis zu einem halben Dutzend weiterer Leichen.

Ausgrabungen nahe Warren
AP

Ausgrabungen nahe Warren


In den Abendstunden des 15. September 1979, es war ein Samstag, schlich das blonde Mädchen Kimberly King hinaus in die Dämmerung von Warren, der drittgrößten Stadt des US-Bundesstaats Michigan. Sie kehrte niemals wieder.

Ihren Großeltern hatte die damals Zwölfjährige gesagt, sie übernachte bei ihrer Freundin Annie, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, doch dann ging die Sonne unter, und Kimberly stahl sich aus Annies Haus, vermutlich wollte sie den Abend in der Stadt verbringen, mit Jugendlichen.

"Sie war witzig, sie war eine Regelbrecherin", sagt Annie heute über ihre Freundin Kimberly, wie es auf der lokalen Nachrichtenseite "C&G News" heißt. "Sie genoss einfach das Leben."

"Hinreichender Verdacht"

An jenem Abend gegen elf Uhr rief Kimberly bei ihrer Schwester Konnie an, wie CNN und das CBS-Magazin Inside Edition berichten. Sie sei in einer Telefonzelle in der Nähe der Großeltern, sagte Kimberly. Sie solle zurück zu Annie gehen, sagte ihre Schwester. Kimberly kam nie bei Annie an. Am 16. September 1979 wurde sie als vermisst gemeldet.

Kimberly King
Warren Police Department

Kimberly King

Nun, fast 40 Jahre später, könnte sich das Rätsel um Kimberly King lösen - und mit ihm das Rätsel um bis zu sechs weitere Mädchen, die vor Jahrzehnten verschwunden sind. Am Montag rückte die örtliche Polizei und das FBI mit Spaten und Baggern an, seither graben die Ermittler ein Waldgebiet nordöstlich von Warren um. Womöglich entpuppt es sich als Friedhof.

"Wir haben einen hinreichenden Verdacht, dass Kimberly dort begraben ist", sagte Bill Dwyer, Polizeichef von Warren, der Nachrichtenagentur "Associated Press". "Außerdem glauben wir, dass dort vier bis sechs andere Mädchen begraben sind, die als vermisst gemeldet wurden."

Die Ermittler kennen das Gebiet

Der "Washington Post" zufolge wollte die Polizei die Namen der anderen Mädchen nicht nennen, jedoch sollen sie in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren verschwunden sein, im Alter von 12 bis 17 Jahren.

Das Gebiet, in dem die Bagger arbeiten, ist den Ermittlern vertraut. Vor zehn Jahren waren sie schon einmal dort. Damals fanden sie die Überreste von Cindy Zarzycki, verscharrt in der Nähe eines Baches. Die 13-Jährige verschwand 1986.

2008 verurteilte ein Gericht Arthur Ream wegen Mordes an Cindy Zarzycki zu lebenslanger Haft. Ream, der Vater von Cindys damaligem Freund, hatte sie zu sich gelockt, ihr etwas erzählt von einer Überraschungsparty für seinen Sohn, sagten die Ermittler.

Ream gab wohl Hinweise

Zum Zeitpunkt seiner Verurteilung saß er bereits im Gefängnis wegen sexueller Belästigung einer 14-Jährigen. Kurz darauf zeigte Ream den Ermittlern den Ort, an dem er Zarzyckis Leiche vergraben hatte. Nun offenbar hat der 68-Jährige erneut entscheidende Hinweise gegeben.

Wie die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf Polizeichef Dwyer berichtet, führten mehrere Informationen zur aktuellen Spur - einige sollen von Ream stammen. Auch laut "Washington Post" besuchten die Ermittler Ream vor Kurzem im Gefängnis.

Ist Arthur Ream ein Serienkiller? Nicht alle Informationen stützen diese Theorie. So berichtet der lokale Fernsehsender Fox 2 Detroit auf seiner Website, dass Ream in Haft gesessen habe, als Kimberly verschwand - wegen Belästigung eines Kindes. Der Strafvollzugsbehörde von Michigan zufolge habe er das Gefängnis erst im Februar 1980 entlassen. Das berichtet auch die Website des Fernsehsenders Oxygen.

Vielleicht wissen die Ermittler bald mehr. Zwei oder drei Tage werde es dauern, sagte der Polizeichef Dwyer am Dienstag gegenüber "Reuters". Dann würden die Ermittler herausgefunden haben, ob im Boden des Waldstücks nahe Warren jene Leichen liegen, die sie dort vermuten. Einen Tag zuvor sagte Dwyer bereits: "Wir sind überzeugt, das richtige Gebiet zu haben."

fgr

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