Gerüchte um Hillary Clinton Mann will Verschwörungstheorie nachgehen - und stürmt Pizzeria mit Waffe

Im US-Wahlkampf kursierte eine Verschwörungstheorie, die besagte: Die Demokratin Hillary Clinton sei Kopf eines Kinderpornorings. Nun folgte auf die Gerüchte Gewalt.

Polizeieinsatz in Washington
DPA

Polizeieinsatz in Washington


Das Pizzarestaurant Comet Ping Pong in Washington erlebt seit einiger Zeit eine Berühmtheit, auf die Besitzer und Mitarbeiter wohl gern verzichten würden. Im Internet kursiert eine Verschwörungstheorie, derzufolge das Lokal in Wahrheit die Schaltzentrale eines Kinderpornorings ist. Die Köpfe: Hillary Clinton, die jüngst die Präsidentschaftswahl verlor, und ihr Kampagnenchef John Podesta.

Im Wahlkampf um das Weiße Haus befeuerte sogar das Lager von Clinton-Rivale Donald Trump die Gerüchte um "Pizzagate". Michael Flynn, unter Wahlsieger Trump als nationaler Sicherheitsberater vorgesehen, teilte am 3. November eine entsprechende Story bei Twitter und schrieb dazu "U Decide" - "Sie entscheiden". Eine kaum verhohlene Empfehlung, angesichts der Vorwürfe Trump zu wählen.

Längst hat die Polizei mitgeteilt, dass "Pizzagate" jeder Grundlage entbehrt. Ein 28-Jähriger aus dem Bundesstaat North Carolina aber interessierte sich dafür offenkundig nicht. Sein Fall zeigt, welche Folgen eine "Fake News Kampagne" haben kann und wie sehr der schmutzig geführte Wahlkampf in den USA noch nachhallen dürfte.

Am Sonntagnachmittag um 15 Uhr (deutsche Zeit: 21 Uhr) stürmte der 28-Jährige laut Angaben der Polizei mit einer Waffe in der Hand das Lokal. Er bedrohte einen Angestellten, der ebenso wie seine Kollegen und Gäste des Lokals fliehen konnte. Er schoss laut Polizeiangaben mindestens ein Mal.

Verletzt wurde niemand. Nach 45 Minuten konnte die Polizei den Mann verhaften. In seiner Vernehmung gab er an, er habe "Pizzagate" persönlich untersuchen wollen, so berichtet die Polizei. Insgesamt drei Waffen nahm sie ihm ab. Er muss sich nun wegen eines Angriffs mit einer gefährlichen Waffe vor Gericht verantworten.

sms/AP/Reuters



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