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17. Februar 2013, 16:09 Uhr

NSU-Ermittlungen

BKA vermutet neue Wattestäbchen-Panne

Bei den Ermittlungen zur Terrorgruppe NSU ist den Fahndern womöglich erneut eine Panne unterlaufen. Nach SPIEGEL-Informationen gingen die Beamten DNA-Spuren nach, die auf ein verunreinigtes Wattestäbchen zurückzuführen sein könnten. Ein ähnliches Missgeschick hatte es bereits vor Jahren gegeben.

Hamburg - Bei der Aufklärung der Taten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) setzte die Polizei nach SPIEGEL-Informationen womöglich erneut verunreinigte Wattestäbchen ein. Die Fahnder fanden in dem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach, in dem Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos am 4. November 2011 durch Kopfschüsse starben, ein Paar graue Socken. Daran stellten sie ein "Mischspurenprofil" sicher, das von "mindestens zwei Personen" stammte, heißt es in einem Gutachten des Bundeskriminalamts (BKA).

Die Spuren gehen auf Beate Zschäpe zurück und auf einen unbekannten Mann, "P46". Ein Abgleich mit der DNA-Analyse-Datei führte die Beamten zu Kriminalfällen, die für den NSU untypisch gewesen wären, darunter ein Autodiebstahl in Berlin. Das BKA nimmt das als ein weiteres Indiz dafür, dass die DNA von "P46" möglicherweise bei der Herstellung oder Verwendung an die Wattestäbchen kam.

Es wäre nicht das erste Mal, dass so etwas passiert: Nach dem Mord des NSU an der Polizistin Michèle Kiesewetter hatte die Polizei am Tatort die DNA einer Unbekannten gefunden. Sie jagte das "Phantom" zwei Jahre lang, stellte an insgesamt 40 verschiedenen Tatorten Spuren sicher - bis sich herausstellte, dass die Frau, der die DNA gehörte, beim Hersteller der Polizei-Wattestäbchen arbeitete. Die Ermittler hatten die Spur also immer selbst zu den Tatorten getragen.

Auch sonst ist die Ermittlungsgeschichte im Fall NSU voll von Pannen. Zuletzt hatte sich herausgestellt, dass die Fahnder offenbar ein wichtiges Beweisstück, die sogenannte Garagenliste, lange Zeit nicht ausgewertet hatten.

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