Tödliche Falle: Der Feuerteufel von Webster

Er zündete sein eigenes Haus an, verschanzte sich - und wartete schwer bewaffnet auf die Rettungskräfte: Der Mord an zwei Feuerwehrleuten im Bundesstaat New York schockiert die USA. Der Täter soll ein halbautomatisches Gewehr benutzt haben. Sein Motiv ist rätselhaft.

REUTERS

Webster - Der Anruf erreichte die freiwillige Feuerwehr von West Webster am Montagmorgen gegen 5.30 Uhr. Ein Haus und ein Auto standen in Flammen in Webster, einem Vorort von Rochester im US-Bundesstaat New York. Für die diensthabenden Rettungskräfte ein Routinefall - der sich wenig später zur Katastrophe entwickelte. Am Einsatzort wurden die Feuerwehrleute sofort unter Beschuss genommen. Zwei Männer starben, zwei überlebten schwer verletzt.

"Es sieht so aus, als wäre es eine Falle für die Opfer gewesen. Er hatte sich versteckt und ganz gezielt auf die Feuerwehrleute geschossen. Sie standen mitten in der Nacht auf, um zu helfen. Da rechnen sie nicht damit, attackiert zu werden", sagte Websters Polizeichef Gerald Pickering unter Tränen auf einer Pressekonferenz am Montag.

Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um einen 19-Jährigen und einen 43-Jährigen, der erst vor zwei Wochen als "Feuerwehrmann des Jahres" ausgezeichnet worden war. Im Hauptberuf war er als Polizist tätig. Ein weiterer Polizeibeamter, der auf dem Weg zur Arbeit am Tatort vorbeifuhr, wurde leicht verletzt.

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Todesschüsse auf Retter: Chaos in Webster, New York
Nach bisherigem Stand der Ermittlungen hatte sich der Täter William Spengler mit drei Waffen auf einer nahegelegenen Böschung versteckt, auf die alarmierten Retter gewartet - und das Feuer eröffnet. Ein Sondereinsatzkommando fand den 62-Jährigen gegen 11 Uhr an einem nahegelegenen Strand. Offenbar hatte Spengler seinem Leben mit einem Schuss in den Kopf ein Ende gesetzt. Bis jetzt ist unklar, wo sich seine 67-jährige Schwester befindet, die im selben Haus gewohnt haben soll. Das Anwesen brannte bis auf die Grundmauern ab.

Ein lokaler Ableger des Senders NBC berichtet, bei der Leiche seien drei Waffen gefunden worden. Darunter habe sich auch ein halbautomatisches Gewehr befunden. Über ein mögliches Verbot dieser Waffenart wird nach dem Schulmassaker von Newtown Mitte Dezember in den USA derzeit debattiert.

Laut NBC trug Spengler neben einem leeren noch drei volle 30-Schuss-Magazine bei sich. Diese Informationen sind von der Polizei mit Verweis auf den frühen Stand der Ermittlungen jedoch noch nicht bestätigt.

Hinweis in Todesanzeige für Mutter des Schützen?

Völlig offen ist, warum der Täter gezielt die Feuerwehrleute in die tödliche Falle lockte. Ein möglicher Hinweis könnte die Todesanzeige für Spenglers Mutter sein, zu der er ein äußerst enges Verhältnis gehabt haben soll. Laut NBC war diese im Oktober verstorben. In der Zeitungsannonce wurde demnach um eine Spende für einen Fonds der lokalen Feuerwehr gebeten. Auch die "Washington Post" berichtet von dieser möglichen Verbindung.

"Wir gehen davon aus, dass es sich hierbei um einen Fall von schweren psychischen Problemen handeln könnte. Vielleicht hätte er in eine Anstalt gehört, vielleicht ist er einfach durch das Raster gefallen", sagte Polizeimann Pickering am Montag.

Tatsächlich war der Todesschütze schon in der Vergangenheit durch äußerste Gewaltbereitschaft aufgefallen. Im Jahr 1981 hatte er sich schuldig bekannt, seine 92-jährige Großmutter mit einem Hammer erschlagen zu haben. Für diese Tat verbrachte er 17 Jahre im Gefängnis. Seine Bewährungsfrist lief 2006 aus. Als verurteilter Gewalttäter hätte Spengler nach geltendem Recht keine Schusswaffen besitzen dürfen.

Gepanzerter Truck zur Rettung der Anwohner

Noch Stunden nach der Tat herrschte in dem ruhigen Wohngebiet am Ufer des Ontario-Sees Chaos. Weil zunächst nicht klar war, wo sich der Todesschütze aufhielt, konnte die Feuerwehr den Brand nicht bekämpfen. Die Flammen breiteten sich auf insgesamt sieben weitere Häuser aus. Vier davon wurden völlig zerstört. Mehr als 30 Anwohner mussten von dem Sondereinsatzkommando der Polizei in einem gepanzerten Spezialfahrzeug aus der Gefahrenzone gebracht werden, Hubschrauber kreisten stundenlang über dem Areal.

In dem 5000-Einwohner-Städtchen laufen die Ermittlungen weiter, ebenso wie die Suche nach Erklärungen für die Bluttat. Vor der Feuerwache der getöteten Rettungskräfte legten Bürger am Vormittag Blumen und Plakate ab. "Webster ist eine tolle Gemeinde", erklärte Polizeichef Pickering. "Wir sind eine sichere Stadt und eine solche Tragödie ist einfach unfassbar."

jok

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