Obamas Leibwache Secret-Service-Chefin tritt zurück

Julia Pierson war für den Schutz des US-Präsidenten zuständig, jetzt ist die Chefin des Secret Service zurückgetreten. Sie reagiert damit auf die Sicherheitspannen im Weißen Haus. Ihr Nachfolger steht bereits fest.


Washington - Die Chefin der Leibwache von US-Präsident Barack Obama ist nach einer Pannenserie zurückgetreten. Julia Pierson, Chefin des Secret Service, habe den Rücktritt angeboten und das Ministerium für Heimatschutz habe den Schritt akzeptiert, teilte die Behörde am Mittwoch mit.

Pierson stand wegen der Sicherheitspannen seit einigen Tagen in der Kritik. Vor anderthalb Wochen war ein mit einem Messer bewaffneter Mann ins Weiße Haus eingedrungen. Der Secret Service spielte den Vorgang erst herunter, in Wahrheit aber kam der Eindringling bis in den East Room, einen bekannten Empfangssaal. Nur zufällig lief ihm da ein Secret-Service-Agent über den Weg. In dem Auto des Mannes fanden Beamte später zwei Beile, eine Machete und 800 Schuss Munition.

Pierson hatte den Vorfall zuvor als "inakzeptabel" bezeichnet und übernahm die Verantwortung: "Wir vom Secret Service sind schockiert darüber, wie es zu diesem Zwischenfall kommen konnte." Es sei "augenscheinlich, dass Fehler gemacht wurden". Diese würden sich nicht wiederholen.

Die 55-Jährige kam erst vor eineinhalb Jahren ins Amt, nachdem ihr Vorgänger Mark Sullivan nach einer Skandalserie geschasst worden war. Am Dienstag musste sie sich aber wegen den Sicherheitspannen erstmals vor einem Kongresskomitee verantworten. Dabei musste sie sich auch dafür rechtfertigen, dass sie zunächst behauptet hatte, der Eindringling sei in der Nähe des Eingangs des Weißen Hauses, und nicht im tiefen Inneren des Gebäudes, aufgegriffen worden.

Auf Pierson soll Joseph Clancy, ein früherer Agent des Secret Service, der für die Sicherheit des Präsidenten zuständig war, folgen.

Bereits bevor der Mann ins Weiße Haus vordrang, hatte es schwere Sicherheitspannen gegeben. Vor zwei Wochen fuhr Obama beim Besuch einer Gesundheitsbehörde in Atlanta mit einem bewaffneten Mann allein im Aufzug. Der Mann arbeitete für die Sicherheitsfirma, die die Gesundheitsbehörde bewacht. Laut "Washington Post" ist er dreifach vorbestraft - wegen tätlicher Angriffe und Körperverletzung. Während der Fahrt im Aufzug machte er mit seinem Handy Fotos und Videos von Obama - und hörte auch nach wiederholter Bitte nicht damit auf.

Auch andere Fehler hatten sich die Mitarbeiter des Secret Service zuvor geleistet:

  • Ein Personenschützer wurde während eines Präsidentenbesuchs in den Niederlanden in einem Hotel betrunken aufgefunden.
  • Zwei weitere hatten im US-Bundesstaat Florida einen Unfall - unter Alkoholeinfluss, wie die "Washington Post" berichtete.
  • Im April 2012 erschütterte ein Skandal um Prostituiertenbesuche während eines Kolumbien-Aufenthalts des Präsidenten den Secret Service.
  • 2011 konnte ein Mann Schüsse auf das Weiße Haus abgeben.

kha/dpa/AFP

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Nabob 01.10.2014
1. Dieses konsequente Verhalten
erwarten wir nun auch von der Chefin der Bundeswehr.
_leserin_ 01.10.2014
2. @1: Zirkelschluss von Nabob
wären Sie bitte so freundlich, das von Ihnen als "konsequent" bewertetes Verhalten in den Kontext zu setzen und auch zu begründen? Erwarten dürfen Sie alles und nix. Oder anders gefragt, was haben Einschusslöcher im Weißen Haus oder Messer eines Vorbestraften im Aufzug mit dem US-Präsidenten mit der Bundeswehr zu tun?
till2010 01.10.2014
3.
Wenigstens tritt sie (wenn auch unter Druck) zurück. Die ungähigen Leute die ich kenne kleben an ihren Stühlen.
Crossi71 02.10.2014
4. Feiger Rücktritt
Wenn aus falschen Ehrgefühl heraus ständig die Verantwortlichen zurücktreten, dann sind in Führungspositionen ständig Azubis. Sie soll die Fehler erkennen und beseitigen.
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