Indischer Bundesstaat Westbengalen Dorfrat soll Gruppenvergewaltigung angeordnet haben

Etwa ein Dutzend Männer haben laut Polizei in Indien eine junge Frau vergewaltigt. Ein Dorfrat soll dieses Vorgehen angeordnet haben - als Strafe für die 20-Jährige, die eine Beziehung zu einem Mann aus einem Nachbarort unterhielt.

REUTERS

Neu-Delhi - Ein Dorfrat in Indien hat laut Polizei eine barbarische Strafe gegen eine junge Frau verhängt: Weil die 20-Jährige einen Mann aus dem Nachbardorf liebte, soll der Rat eine Gruppenvergewaltigung gebilligt haben.

"Das Mädchen wurde von mehreren Männern vergewaltigt, weil sie eine Affäre mit einem Jugendlichen aus einer anderen Gemeinde hatte und die vom Dorfrat verhängte Geldstrafe nicht zahlen konnte", sagte Polizeichef C. Sudhakar. Der Freund habe zudem eine andere Religion gehabt, berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press.

Insgesamt vergingen sich laut Polizei etwa ein Dutzend Männer an der Frau. Unter den Vergewaltigern soll auch der Vorsitzende des Rates gewesen sein, wie die "Hindustan Times" berichtet. Die Tat wurde demnach am Dienstag verübt. Zwölf Verdächtige seien festgenommen worden, andere Berichte sprachen von 13 Festnahmen. Die junge Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Das Paar sei vor den Rat gezerrt und an zwei Bäume gefesselt worden, hieß es von der Polizei. Als ihre Eltern zu erkennen gegeben hätten, dass sie die Strafe in Höhe von umgerechnet 295 Euro nicht aufbringen könnten, habe der Rat die Vergewaltigungsstrafe ausgesprochen.

Entscheidungen von Dorfräten sind in Indien juristisch nicht bindend. Aber die Beschlüsse werden als Wille der Gemeinschaft interpretiert. Wer sich ihnen widersetzt, riskiert, gesellschaftlich geächtet zu werden.

In Indien sorgen Gruppenvergewaltigungen immer wieder für Schlagzeilen. Ein besonders schwerer Fall jährte sich Ende Dezember - eine Gruppenvergewaltigung, die mit dem Tod einer 23-Jährigen endete. Sechs Männer hatten sich am 16. Dezember 2012 an der Studentin vor den Augen ihres Freundes in einem Bus in Neu-Delhi vergangen und sie unter anderem mit einer Eisenstange so schwer misshandelt, dass sie knapp zwei Wochen später starb. Mehrere Täter wurden zum Tode verurteilt.

Das Verbrechen wühlte die indische Öffentlichkeit zutiefst auf. Tausende Menschen protestierten gegen die verbreitete sexuelle Gewalt gegen Frauen und die Gleichgültigkeit der Behörden. Die Politik reagierte mit der Einführung der Todesstrafe bei Vergewaltigungen mit Todesfolge. Dennoch wurden seit der Tat vor einem Jahr in Indien immer wieder schwere Sexualverbrechen begangen, unter anderem auch an ausländischen Touristinnen.

ulz/AFP/AP



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