Westerhausen Selbst gebaute Heizung verursacht Familientragödie

Nun steht es fest: Eine selbst installierte Heizungsanlage hat vor rund einer Woche zu der Familientragödie im Harzort Westerhausen geführt. Einen Selbstmord der Eltern oder gar ein Verbrechen schließen die Ermittler aus.


Westerhausen - Aus einer vom Vater der Familie konstruierten Gasheizung trat Kohlenmonoxid aus und führte zum Tod der Eltern geführt, wie der leitende Kriminalbeamte Frank Götze am Montag in Halberstadt sagte. Alle Ermittlungsergebnisse sprächen "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für einen Unglücksfall". Ein zunächst vermuteter Suizid der Eltern könne definitiv ausgeschlossen werden.

Im Haus der Familie habe es schon seit längerem ein "Heizproblem" gegeben, weil zwei vorhandene Ölheizungen nicht funktioniert hätten, erläuterte Götze. Der 33-jährige Vater der Familie habe deshalb selbst einen Heizkessel gebaut, der mit einem Propangasbrenner betrieben worden sei. Die Eigenkonstruktion habe jedoch nicht über eine ausreichende Entlüftung verfügt. Manipulationen oder Fahrlässigkeiten anderer Beteiligter seien nicht festgestellt worden.

"Weitaus geringere Kohlenmonoxid-Konzentrationen"

Durch die Decke des Heizungsraums, der sich direkt unter dem Schlafraum der Eltern befand, stieg dann nach Polizeiangaben am 6. April das geruchlose Gas auf und führte zum Tod der beiden Erwachsenen. Die vier Kinder der Familie seien erst später vom Spielen zurück ins Haus gekommen. Blutuntersuchungen bei den zwei Jungen und zwei Mädchen zwischen acht und dreizehn Jahren hätten "weitaus geringere Kohlenmonoxid-Konzentrationen" ergeben als bei den Eltern. Der Großvater hatte die vier Kinder zwei Tage später gemeinsam mit den toten Eltern in dem Haus gefunden, sie hatten sich laut Polizei in einer Art Dämmerzustand befunden.

Wenn keine "gravierenden neuen Erkenntnisse" auftreten sollten, werde der Fall als Unglücksfall abgeschlossen, kündigte Halberstadts Oberstaatsanwalt Helmut Windweh an. In Zusammenarbeit mit dem TÜV Hannover solle jedoch noch untersucht werden, wie sich das Gas in dem Haus verteilt habe.

Die vier Kinder der Familie befinden sich derweil nach Angaben des zuständigen Jugendamts in einem Krankenhaus in Quedlinburg. Nach dem Tod ihrer Eltern stünden sie zunächst unter Vormundschaft des Amtes, sagte Jugendamtsleiterin Carmen Werner. Ziel der Behörden sei es, den Kindern in Abstimmung mit allen Beteiligten eine "gemeinschaftliche Zukunft" zu ermöglichen. Die zehn- und elfjährigen Mädchen und ihre acht- und dreizehnjährigen Brüder seien mittlerweile über den Tod der Eltern informiert worden.

Westerhausens Bürgermeister Eberhard Heintze kündigte unterdessen eine Hilfsaktion für die vier Waisen an. Am Montag habe die Gemeinde ein Spendenkonto für die Familie eingerichtet, sagte Heintze. Das eingezahlte Geld solle "nur den Kindern zugutekommen".

jdl/ddp



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