Mord an 14-jähriger Susanna Politiker fordern Aufklärung über Ausreise des Verdächtigen

Wieso konnte der im Mordfall Susanna verdächtige Iraker mit seiner Familie Deutschland verlassen? Bei der Aufarbeitung der Tat sind einige Fragen zu klären - kriminalistisch und politisch.

Carsten Schneider (Archiv)
AFP

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Die Ermittlungen nach dem Fund der ermordeten 14-jährigen Susanna in Wiesbaden gehen weiter. Der Tatverdächtige, ein 20 Jahre alter irakischer Flüchtling, ist auf der Flucht. Ali B. wird im Irak vermutet.

Ein weiterer Mann wurde am Donnerstag wieder freigelassen. Gegen den zunächst festgenommenen 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit besteht laut Staatsanwaltschaft kein dringender Tatverdacht mehr.

Susanna war vor zwei Wochen verschwunden - ihre Leiche war am Mittwoch in einem Erdloch auf einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden gefunden worden. Die Schülerin Susanna war nach Angaben der Ermittler durch eine Gewalteinwirkung auf den Hals zu Tode gekommen. Sie gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, um eine Vergewaltigung zu vertuschen. Die 14-Jährige war am 22. Mai von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden.

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Wiesbaden: Der Fall Susanna

Ali B. ist nach Aussagen der Staatsanwaltschaft vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seiner gesamten Familie überhastet aus dem Flüchtlingsheim aufgebrochen. Am Samstag ging es von Düsseldorf aus zunächst nach Istanbul. Die Flugtickets waren dabei laut Polizei auf andere Namen ausgestellt. Ein Abgleich mit den Namen auf den Aufenthaltsgenehmigungen fand demnach nicht statt.

"Solch fragwürdige Papiere"

Mehrere Politiker fordern nun Aufklärung darüber, wie sich der Tatverdächtige trotz Unklarheiten über seine Identität offenbar in seine Heimat Irak absetzen konnte. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte der "Bild"-Zeitung, es müsse "rasch geklärt werden, wie der Tatverdächtige entkommen konnte und wie er möglichst schnell in Deutschland vor Gericht gestellt werden" könne.

CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sprach sich für ein konsequentes Durchgreifen der Justiz in dem Fall aus. "Man fragt sich, warum der Tatverdächtige, nachdem er bereits derart gewalttätig polizeilich in Erscheinung getreten war, nicht längst in Untersuchungshaft war?", sagte er zudem der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, sagte der "Bild"-Zeitung, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) müsse "dafür sorgen, dass die vorhandenen Kontrollmechanismen bei Ein- und Ausreisen auch genutzt werden". Bei "solch fragwürdigen Papieren" wie im Fall des Tatverdächtigen "und angesichts des Reiseziels hätte die Bundespolizei mit einem einfachen Fingerabdruck-Vergleich feststellen können, dass hier ein Krimineller auf der Flucht ist".

Tat dürfe "nicht ungesühnt bleiben"

Grünen-Chefin Annalena Baerbock sagte derselben Zeitung: "Der oder die Täter müssen mit der ganzen Härte des Rechtsstaats bestraft werden. Niemand sollte sich aber anmaßen, den Tod dieses Mädchens zu missbrauchen, um Hass zu säen." Es brauche Aufklärung in jeglicher Hinsicht.

FDP-Chef Christian Lindner sagte dem Blatt, das Verbrechen werfe zahlreiche Fragen auf. "Wieso werden abgelehnte Asylbewerber nicht konsequenter zurückgeführt? Warum konnte der Täter samt Familie offenbar unter falschem Namen ausreisen?" AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, sagte, Susannas Tod sei "kein blinder Schicksalsschlag".

Auch der SPD-Politiker Karl Lauterbach sagte der "Bild"-Zeitung, es müsse "schnellstens geklärt werden, wieso ein Verdächtiger ins Flugzeug steigen kann, obwohl seine Identität nicht klar ist". Die deutschen Behörden müssten "alles tun, damit der Mann ausgeliefert und nach Deutschland zurückgebracht wird". Die Tat dürfe "nicht ungesühnt bleiben". Ähnlich äußerte sich der Grünen-Politiker Omid Nouripour. Der Mann müsse ausgeliefert, ihm müsse "hier der Prozess gemacht werden".

Die getötete Susanna war Mitglied der Jüdischen Gemeinde Mainz, wie der Zentraltrat der Juden mitteilte. "Einem jungen Leben wurde auf grausame Weise ein Ende gesetzt. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden", heißt es in der Mitteilung.

"Ihr Tod schmerzt uns sehr und die Umstände der schrecklichen Tat machen uns wütend", teilte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) mit. "Ich wünsche mir, dass die Ermittlungen dazu führen, dass der oder die Täter mit der vollen Strenge des Gesetzes zu Rechenschaft gezogen werden können und für dieses abscheuliche Verbrechen büßen." Der Rechtsstaat müsse sich die Fragen gefallen lassen, ob die Tat hätte verhindert werden können. Der SPD-Politiker warnte zudem davor, die Situation politisch für demokratiefeindliche Parolen auszunutzen.

wit/dpa/AFP



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