Winnenden-Prozess: Schlüsselzeugin beruft sich auf Erinnerungslücken

Eine wichtige Zeugin hat im Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden angeben, ihre Erinnerung an Details sei "völlig ausgelöscht". Die Familientherapeutin sprach von einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ein Ermittler berichtete derweil vom Verhalten des Vaters nach der Tat.

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Landgericht Stuttgart: Familientherapeutin sorgt für Verärgerung

Stuttgart - Eine Familientherapeutin hat sich im neuen Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden und Wendlingen auf Erinnerungslücken berufen und damit für Verärgerung gesorgt. Vor dem Stuttgarter Landgericht sagte die Schlüsselzeugin am Freitag, sie könne sich an viele Details der Betreuung der Familie des Täters nicht mehr erinnern. So sei auch die Erinnerung daran, ob der Vater von einer psychiatrischen Klinik über Tötungsphantasien seines Sohnes informiert worden sei, "völlig ausgelöscht".

Gleiches sagte sie auf die Frage, ob sie gemeinsam mit der Familie einen Brief an die Hinterbliebenen der Opfer geschrieben habe. Die Staatsanwaltschaft sieht Belege dafür, dass die Therapeutin entgegen ihrer früheren Aussage an der Erstellung des Briefes beteiligt war und drohte ihr mit der Einleitung eines Verfahrens wegen Falschaussage.

Die Zeugin begründete die Lücken mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dies habe zur Folge, dass sie sich an vieles nicht mehr erinnern könne. Sie legte dafür ein Attest vor. Die Frau hatte die Familie des Täters nach dem Amoklauf betreut.

Im ersten Prozess war der Vater unter anderem wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil allerdings aufgehoben, da die Verteidiger des Angeklagten nicht die Gelegenheit erhalten hatten, die Therapeutin zu befragen.

Die Frau hatte sich in diesem ersten Verfahren in erhebliche Widersprüche verwickelt und dann die Aussage verweigert.

Der Vater muss sich vor Gericht verantworten, weil er die Tatwaffe unverschlossen aufbewahrt hatte. Mit ihr hatte sein Sohn 15 Menschen und sich selbst getötet. Ein Ermittler schilderte am Freitag vor Gericht die Reaktion des Vaters nach dem Amoklauf von Tim K. Der Angeklagte sei "zielgerichtet ins Schlafzimmer" gegangen, um nach seiner Waffe zu schauen, sagte der Polizist. Dort habe er auch gesehen, dass das Magazin aus dem Nachttisch fehlte.

bim/dpa/dapd

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