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Winnenden-Prozess: Therapeutin des Amokläufers verweigert Aussage

Sie hätte aufklären können, inwieweit die Eltern des Amokläufers von Winnenden über dessen psychischen Zustand informiert waren: Doch im Prozess gegen den Vater vor dem Landgericht Stuttgart hat die Psychotherapeutin von Tim K. nun die Aussage verweigert.

Stuttgart - Über ihren Rechtsanwalt ließ die 39-Jährige am Donnerstag vor Gericht erklären, sie mache von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Für den Nachmittag wurde die Aussage einer Zeugin erwartet, die als Mitglied des Kriseninterventionsteams die Familie des Angeklagten nach dem Amoklauf betreute.

Am Dienstag hatte ein Waffenexperte des Landeskriminalamtes im Prozess ausgesagt, mit der unverschlossenen Aufbewahrung von Tatwaffe und Munition in seinem Schlafzimmer habe der Angeklagte gegen das Waffengesetz verstoßen. Beides hätte laut Gesetz in einem Stahlschrank aufbewahrt werden müssen.

Zwei Mitschüler des Amokläufers sagten anschließend, sie hätten die Waffensammlung des Angeklagten besichtigen dürfen.

Zudem hatte das Gericht einen der beiden Schöffen wegen Befangenheit aus dem Prozess ausgeschlossen.

Der Vater von Tim K. muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der 17 Jahre alte Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und dann sich selbst getötet. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.

jjc/dapd

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insgesamt 20 Beiträge
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1. .
michel65, 11.11.2010
Gut so. Ansonsten hat die ärztliche Schweigepflicht ihren Sinn verloren und das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ist nicht mehr gegeben.
2. Verständlich
masterblaster2000 11.11.2010
die gute Frau würde sich schließlich nach § 203 StGB strafbar machen, wenn sie aussagt. Das gilt natürlich nicht, wenn sie vom Betroffenem die Befugnis erhält, worüber der Artikel leider keine Angaben macht..
3. Erkrankte Beziehungs- und Kommunikations"systeme"
GinaBe 11.11.2010
Ebenso wie Arzt und Anwalt ist die Therapeutin zur Schweigeverpflichtung genötigt, um weiteres Unheil zu vermeiden. Was nutzt es, wenn die Familiebzusammenhänge zerpflückt und analysiert werden, macht das die Toten nicht lebendig! Eine Gewaltbereitschaft soll offensichtlich gemacht werden, damit dem Vater des Jungen eine Mitverantwortung und Mitverschuldung angekreidet werden kann, vielleicht gar, daß er ihn mit seinem nicht versperrten Waffenschrank vielleicht gar genötigt habe, diese zu entwenden und auszuprobieren? Ganz andere Ursachen werden hinter der schrecklichen Geschichte stecken, als lediglich jene, die möglicherweise längst auf den Tischen der Psychiater liegen- welche, die ungern präsentiert werden, weil sie noch Tabuthema sind, trotz sogenannter aufgeklärter Zeiten. Wenn zum Beispiel bereits die Eltern und Elterseltern traumatisiert und gefühlsmäßig abgehärtet sind, fehlte dem Jungen vielleicht grundsätzlich eine gewisse Hemmeschwelle, konnte er sein Aggressionspotential nicht beherrschen, weil ihm dies nie bewußt worden ist, daß er eines besitzt. Sich selbst überhaupt noch fühlen zu können, bedeutet schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr und bedarf gesamtgesellschaftlich einer Behandlung- nur wie?! ist die Frage!
4. Strompreise runter!
kdshp 11.11.2010
Zitat von sysopSie hätte aufklären können, inwieweit die Eltern des Amokläufers von Winnenden über dessen psychischen Zustand informiert waren: Doch im Prozess gegen den Vater vor dem Landgericht Stuttgart hat die Psychotherapeutin von Tim K. nun die Aussage verweigert. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,728536,00.html
Hallo, wenn das ihr gutes recht ist dann soll sie das auch tuen!
5. Sensationsgier der Medien die Schranken gewiesen
unbehagen 11.11.2010
Richtig so! Chapeau vor der Therapeutin! Mit ihrer richtigen und völlig legitimen Aussageverweigerung hat sie den Mut, der Sensationsgier der Medien - ganz besonders auch vom Spiegel - die Schranken zu weisen! Denn ihr Spiegel-Redakteure hättet diese Aussagen doch nur wieder dazu verrissen, um Eurer Antipathie gegen Sportschützen zu fröhnen. An dem grauenhaften Verbrechen des Täters von Winnenden gibt es nichts zu relativieren, es ist das Fürchterlichste, was je passieren konnte!!! Aber dieser ganze Prozeß gegen den Vater wird doch von einschlägigen Kreisen aus der Presse, den Grünen Politrabauken sowie dem unsäglichen Aktionsbündnis Winnenden nur dazu mißbraucht, Millionen von Sportschützen in einem Atemzug zu denunzieren und dabei von der eigenen Verantwortung abzulenken, nämlich der Verantwortung für eine von Perspektivlosigkeit und Mediendreck verwahrlosten Jugend.
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Der Amoklauf von Winnenden
Am 11. März 2009 erschoss der 17-jährige Tim K. bei einem Amoklauf in den Städten Winnenden und Wendlingen in Baden-Württemberg 15 Menschen - dann richtete er sich selbst. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.
10. März 2009, kurz vor 24 Uhr:
Während Tim K. in seinem Zimmer am Computer sitzt, schauen seine Eltern bis gegen Mitternacht fern. Der Vater gibt bei der Polizei an, sich kurz vor Mitternacht vergewissert zu haben, dass die Pistole noch im Kleiderschrank war. Dies habe er meistens gemacht, wenn er die Wäsche für den nächsten Tag herausgeholt habe. Tim K. sagt seinen Eltern, dass er am 11. März erst zwei Stunden später zur Schule müsse und länger schlafen wolle. Dazu steht im Polizeibericht weiter: Durch diese offensichtliche Lüge habe er sich Zeit verschafft, um die Tat vorzubereiten.
11. März 2009:
Laut Polizeibericht kann aufgrund von zwei Zeugenberichten nicht ausgeschlossen werden, dass Tim K. bereits um 7.25 Uhr an der Albertville-Realschule unterwegs ist. Dies steht im Widerspruch zur Aussage seiner Mutter, die sich sicher ist, dass ihr Sohn erst kurz vor 9 Uhr das Haus verlassen hat. Tim K. müsste in diesem Fall unbemerkt das Haus verlassen haben und wieder vor 8 Uhr zurück gewesen ein, da er zum Frühstück kam.
11. März, gegen 8 Uhr:
Tim K. frühstückt mit seiner Mutter. Die Mutter geht in den Keller ins Büro, wo sie bleibt, bis ihr Sohn geht. Da nicht ermittelt werden konnte, zu welchem Zeitpunkt Tim K. sich in den Besitz der Pistole brachte, gibt es folgende Hypothese: Tim K. weiß laut Ermittlungsbericht, dass sich seine Mutter im Keller aufhält. Er nimmt aus dem Schlafzimmer unbemerkt die Pistole sowie aus dem Nachtkästchen des Vaters ein dort verstecktes Magazin.
9.30 Uhr:
Tim K. dringt in Winnenden in seine ehemalige Schule ein und erschießt während des Unterrichts acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen.
9.33 Uhr:
Ein Notruf eines Schülers aus der Albertville-Realschule geht bei der Polizei ein.
9.35 Uhr:
Eine Streife mit drei Beamten trifft ein und verhindert damit wahrscheinlich ein noch größeres Blutbad. Der Täter feuert auf die Beamten und flüchtet. Auf dem Weg in die Innenstadt erschießt der Amokläufer einen Mann, der im Zentrum für Psychiatrie gearbeitet hat.
Gegen 9.45 Uhr:
Der Täter kidnappt auf dem Parkplatz der Psychiatrie einen Autofahrer und zwingt ihn zur Fahrt durch Stuttgart auf die Autobahn in Richtung Süden.
Kurz vor 12 Uhr:
An einer Kontrollstelle der Polizei am Autobahnkreuz Wendlingen bremst die Geisel in einer Kurve stark ab und fährt auf eine Böschung zu, um sich kurz darauf aus dem rollenden Wagen zu retten. Der Täter flüchtet zu Fuß zum nahe gelegenen Industriegebiet in Wendlingen.
12.01 Uhr:
Der Täter betritt ein Autohaus in Wendlingen, fordert einen Wagen. Als ihm nicht sofort ein Auto gegeben wird, erschießt er einen Kunden und einen Verkäufer.
12.05 Uhr:
Als der Amokläufer aus dem Autohaus kommt, eröffnet die Polizei das Feuer und verletzt den jungen Mann am Bein. Bei dem Schusswechsel werden zwei Beamte in Zivil schwer verletzt.
12.30 Uhr:
Die Beamten finden den Täter zwischen einer Wand und einem parkenden Fahrzeug tot auf dem Rücken liegend. Er hat sich nach Erkenntnissen der Polizei selbst getötet.

Fotostrecke
Amoklauf von Winnenden: "Eine ehrliche Entschuldigung"

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