Sieben Tote in Sikh-Tempel: Polizist tötet Attentäter von Wisconsin

Ein Mann hat im US-Bundesstaat Wisconsin einen Tempel der Religionsgruppe Sikh angegriffen und sechs Menschen erschossen. Ein Polizist tötete den Täter offenbar während eines Schusswechsels. Das Motiv des Attentäters ist noch unklar.

Oak Creek - Erneut ist es in den USA zu einem schockierenden Blutbad gekommen. Ein Mann hat am Sonntagvormittag gegen 10.25 Uhr Ortszeit einen Tempel der indischen Glaubensgemeinschaft der Sikhs im US-Bundesstaat Wisconsin angegriffen und sechs Menschen getötet, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde. Das teilte Einsatzleiter Bradley Wentland in der Stadt Oak Creek in der Nähe von Milwaukee am Michigansee mit. Mindestens drei Menschen seien bei der Bluttat schwer verletzt worden.

Es sei vermutlich einem einzelnen Polizisten zu verdanken, dass es nicht mehr Opfer gab, sagte der Polizeichef. Demnach kam es zu einem Schusswechsel zwischen dem Täter und einem Polizisten, der als einer der ersten am Tatort eintraf. Der Beamte, bereits seit 20 Jahren im Polizeidienst, habe den Mann vor dem Tempel zu stellen versucht. Der Polizist sei durch mehrere Kugeln schwer verletzt worden, habe aber zurückgeschossen. Dann habe der Täter auf einen zweiten Polizisten geschossen, der das Feuer erwidert und ihn tödlich getroffen habe, sagte Polizeisprecher John Edwards.

Als der Attentäter das Feuer eröffnete, befanden sich möglicherweise bis zu 100 Menschen in dem Tempel. Der 21-jährige Sunny Singh aus Milwaukee berichtete, ein Freund von ihm sei auf den Parkplatz des Tempels gefahren, habe Schüsse gehört und zwei Menschen hinfallen sehen. Der Angreifer habe dann seine Waffe neu geladen und sei in den Tempel gegangen.

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Schießerei in Wisconsin: Täter eröffnet Feuer in Sikh-Tempel
Vier Menschen wurden im Inneren des Tempels getötet, drei weitere außerhalb des Gebäudes. Eine Sprecherin des Froedtert-Krankenhauses sagte, drei Erwachsene würden mit schwersten Verletzungen in der Klinik behandelt. Das Krankenhaus bereite sich auf weitere Opfer vor, sagte ein anderer Sprecher dem Sender CNN.

Laut Polizei handelte es sich wahrscheinlich um einen einzelnen Täter. Nach einigen Stunden, in denen US-Medien teilweise von Geiselnahmen und mehreren Angreifern berichtet hatten, gab die Polizei bekannt, dass der Tempel vollständig geräumt sei.

"Warum? Wir sind doch friedliebende Menschen?"

Über das Motiv konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen, der Täter sei auch noch nicht identifiziert. Ein Angehöriger der Sikh wurde von der Zeitung "Milwaukee Journal Sentinel" mit den Worten zitiert, ein etwa 30-jähriger Weißer habe den Angriff verübt. Die Polizei sprach von einer chaotischen Lage. Mehrere Polizeieinheiten sowie Beamte der Bundespolizei FBI waren am Tatort im Einsatz. Die Ermittler erklärten, der Angriff werde als "heimischer Terrorismus" eingestuft.

Ein Mitglied der Tempelleitung sagte der Zeitung, es müsse sich um ein rassistisch motiviertes Verbrechen handeln. "Das kommt nicht aus unseren Reihen", sagte Ven Boba Ri. Die örtliche Sikh-Gemeinde wurde 1999 gegründet und hat etwa 400 Mitglieder. Unter den Verletzten soll auch der Präsident der Gemeinde sein. Dessen Sohn sagte dem Sender CNN, ein Priester habe ihn aus dem Tempel angerufen und berichtet, dass sein Vater verletzt worden sei. Ein Gemeindemitglied äußerte sich fassungslos über die Bluttat. "Warum?", fragte er. "Wir sind doch friedliebende Menschen. Wir achten unsere Mitmenschen."

Der Sikhismus ist eine im 15. Jahrhundert in Indien entstandene monotheistische Religion. Sie hat weltweit 27 Millionen Anhänger. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger.

Sikhs werden häufig mit Muslimen verwechselt

Gläubige Sikhs lassen sich nicht ihr Haar schneiden und tragen Bärte. Nach Angaben der in Washington ansässigen Sikh-Coalition wurden in den USA seit den Anschlägen vom 11. September 2001 mehr als 700 Gewalttaten gegen Sikhs in den USA verzeichnet. Einige Menschenrechtsaktivisten verweisen darauf, dass Sikhs wegen ihrer Bärte und Turbane oft mit Muslimen verwechselt werden.

US-Präsident Barack Obama hat nach der Schießerei "tiefe Trauer" und Anteilnahme bekundet. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung bot er zugleich Hilfe der Bundesbehörden bei der Aufklärung der Bluttat an und würdigte die Rolle der Sikhs im amerikanischen Leben. Sie seien eine Bereicherung für das Land und "ein Teil unserer erweiterten amerikanischen Familie", sagte Obama.

Erst am 20. Juli war die US-Öffentlichkeit von der Bluttat eines Amokschützen erschüttert worden, der bei einer "Batman"-Premiere in einem Kino in Aurora im Bundesstaat Colorado zwölf Menschen tötete und 58 weitere verletzte. Darauf entbrannte auch wieder eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA. Der Angeklagte James Holmes muss sich wegen Massenmordes vor Gericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.

lgr/dapd/AFP/dpa/Reuters

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