Attacke auf Flüchtlinge in Wismar "Menschenverachtender Angriff"

In Wismar fallen Unbekannte mit Baseballschlägern über zwei Syrer her, Politiker zeigen sich entsetzt. Die Polizei hat "mögliche Tatverdächtige" im Visier.


Nach dem gewalttätigen Angriff auf zwei Flüchtlinge im mecklenburgischen Wismar habe die Polizei mehrere "mögliche Tatverdächtige im Visier". Das sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Weitere Details wurden nicht bekannt.

Die Ermittler gehen demnach von fünf bis zehn Angreifern aus, die am Samstag teilweise vermummt mit Baseballschlägern und anderen Waffen zwei Syrer attackierten. Zuvor war von 20 Vermummten die Rede gewesen.

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer sprach von einem "menschenverachtenden Angriff". "Wir verurteilen diese Tat zutiefst und hoffen, dass die Täter schnell gefasst werden - das sind Kriminelle."

Die 31 und 33 Jahre alten Syrer hatten am Samstag kurz vor 21 Uhr vor der Notunterkunft im Wismarer Stadtteil Friedensdorf gestanden, als sie angegriffen wurden. Eines der Opfer erlitt nach Angaben der Polizei einen Rippenbruch. Beide mussten zudem wegen Prellungen und Schürfwunden ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Auch in Magdeburg hatten am Sonntag rund 30 Unbekannte drei Asylbewerber angegriffen - ebenfalls zum Teil mit Baseballschlägern.

Der Menschenrechtler Uwe-Karsten Heye, Vorstandsvorsitzender der Initiative "Gesicht zeigen!", warf Politik und Polizei daraufhin vor, rechtsextremistische Gefahren völlig zu unterschätzen. "Es hat sich bereits beim Nationalsozialistischen Untergrund gezeigt, dass und wie sehr ignoriert wird, dass die größte innenpolitische Herausforderung der Bundesrepublik der Rechtsextremismus ist", sagte er. "Wer hier wegguckt, ist dabei, diesen Rechtsextremismus bis in die Mitte der Gesellschaft wandern zu lassen."

"Das gilt für Wismar nicht"

Den Vorwurf weisen sowohl die Stadt Wismar als auch die Polizeidirektion Rostock von sich. "Das gilt für Wismar nicht", sagte Marco Trunk, Sprecher der Stadt. Polizei und Stadt gingen sehr verantwortlich mit dem Thema um. In der Bürgerschaft gebe es ein starkes Engagement und eine große Willkommenskultur.

Auch auf Ebene der Bundespolitik gab es klare Worte. "Jede Attacke auf Flüchtlinge ist ein Angriff auf unsere Demokratie", schrieb Justizminister Heiko Maas auf Twitter. "Gewalt müssen wir entschieden entgegentreten." Keinen der zahlreichen "feigen Übergriffe" dürfe man schweigend hinnehmen, erklärte er in einer Mitteilung: "Hass, Bedrohung und Gewalt müssen alle Demokraten gemeinsam entschieden entgegentreten."

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen verurteilte die vielen Angriffe auf Flüchtlinge und Asylbewerberunterkünfte als Angriff auf die demokratische Kultur. Die Straftaten gefährdeten auch die innere Sicherheit Deutschlands, sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

Bereits im April hatte es in Wismar einen Angriff auf Flüchtlinge gegeben. Damals hatten laut Polizei acht Männer ausländerfeindliche Parolen gegrölt und zwei Ägypter durch die Stadt gejagt. Der Staatsanwaltschaft Schwerin zufolge wurde der Fall bislang nicht aufgeklärt. Ob die beiden Taten zusammenhängen, sei in diesem Moment reine Spekulation, sagte die Polizeisprecherin.

gam/dpa/AFP

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