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19. Juli 2016, 17:18 Uhr

17-jähriger Angreifer im Zug

Täter lebte seit zwei Wochen in Pflegefamilie

Ein Jugendlicher aus Afghanistan verletzt fünf Menschen mit Axt und Messer, dann wird er von der Polizei erschossen. Wer ist der Täter? Was ist über die Opfer bekannt?

Was ist geschehen?

In einem Regionalzug auf der Fahrt von Treuchtlingen nach Würzburg hat ein Teenager mit einer Axt und einem Messer Fahrgäste angegriffen und vier Personen verletzt. Ein weiteres Opfer griff er an, nachdem er den Zug verlassen hatte.

Wie wurde der Täter gestoppt?

Der Jugendliche wurde von der Polizei am Mainufer erschossen. Ersten Informationen zufolge gab ein Polizist die tödlichen Schüsse ab - ein Mitglied des Spezialeinsatzkommandos (SEK). Das Landeskriminalamt hat dazu interne Ermittlungen aufgenommen, ein üblicher Vorgang beim Schusswaffengebrauch von Beamten.

Die SEK-Beamten waren zum Zeitpunkt der Tat zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe und nahmen die Verfolgung des 17-Jährigen auf, nachdem er den Zug verlassen hatte. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ging der Täter, nachdem er gestellt worden war, aggressiv mit der Axt auf Polizeibeamte los. Diese hätten daraufhin das Feuer eröffnet.

Wer ist der Täter?

Den Angriff verübte Riaz A., ein 17-Jähriger aus Afghanistan. Er war laut Herrmann vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und seit dem vergangenem Jahr als Asylbewerber registriert. Seit März war er in einem Heim im Landkreis Würzburg untergebracht, die vergangenen zwei Wochen lebte er in einer Pflegefamilie. Der 17-Jährige machte nach Angaben des bayerischen Sozialministeriums ein Praktikum mit der Aussicht auf eine Lehrstelle.

War der Täter der Justiz bekannt?

Herrmann zufolge war der Teenager bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Zeugen aus dem Umfeld des Täters beschrieben ihn als ruhig und ausgeglichen. Er sei gläubiger Muslim gewesen, aber lediglich zu religiösen Feiertagen in die Moschee gegangen. Es habe keine Hinweise auf eine Radikalisierung gegeben.

Video: Ermittler finden IS-Flagge bei Angreifer

Wer sind die Opfer?

Zu den Opfern zählen vier Touristen aus Hongkong. Es soll sich laut der Zeitung "South China Morning Post" um einen 62-jährigen Mann, seine 58-jährige Frau, ihre 27-jährige gemeinsame Tochter und deren 31-jährigen Freund handeln. Ein fünfter Mitreisender, der 17-jährige Sohn des Paares, sei unverletzt geblieben. Nachdem der Angreifer den Zug verlassen hatte, griff er in Heidingsfeld eine Passantin an.

Zwei der Verletzten sind nach Angaben der Ermittler in Lebensgefahr. Mehrere weitere Fahrgäste im Zug erlitten einen Schock. Nach derzeitigem Erkenntnisstand suchte der Täter die Opfer zufällig aus.

Wer steht hinter der Tat?

Die IS-nahe Agentur Amak meldete wenige Stunden nach dem Angriff, der Attentäter sei ein Kämpfer der Extremisten-Miliz. In einem von einer IS-nahen Agentur veröffentlichten Video ist der Jugendliche zu sehen und sagt: "Ich bin ein Soldat des Islamischen Staates und werde eine heilige Operation in Deutschland ausführen."

Es gebe Hinweise, dass sich der Jugendliche möglicherweise selbst radikalisiert habe, sagte Herrmann - etwa einen Text in paschtunischer Sprache, womöglich eine Art Abschiedsbrief des Jugendlichen an seinen Vater. Im Zimmer des Täters wurde zudem eine selbstgemalte IS-Flagge gefunden worden. Vom Bundesamt für Verfassungsschutz hieß es, man habe keine Hinweise auf den 17-Jährigen gehabt.

ulz/dpa/AFP

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