SEK-Einsatz in Wuppertal Erschossener Rocker war Osmanen-Anführer

Der in Wuppertal von der Polizei erschossene Hamit P. führte nach SPIEGEL-Informationen eine Zeit lang den örtlichen Ableger der Rockergang Osmanen Germania an. Unklar ist, warum das Spezialeinsatzkommando auf ihn feuerte.

Kriminalbeamte am Tatort in Wuppertal
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Kriminalbeamte am Tatort in Wuppertal

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Der von einem Spezialeinsatzkommando am vergangenen Freitag in Wuppertal getötete Hamit P. war nach SPIEGEL-Informationen Anführer der Rockergang Osmanen Germania. Wie aus Unterlagen der Sicherheitsbehörden hervorgeht, firmierte der 43-Jährige über längere Zeit als "President" des örtlichen Ablegers der Bande. Die Polizei stufte ihn intern zudem als bewaffnet und gewalttätig ein, weshalb zu seiner Festnahme das Düsseldorfer SEK herangezogen wurde.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hatte zuvor einen Haftbefehl gegen P. und den Osmanen Mehmet Y., 30, erwirkt. Gegen beide ermittelt die Behörde wegen Gewalttaten, es geht auch um ein versuchtes Tötungsdelikt. Der Verdacht geht auf die Angaben eines Aussteigers zurück, der seine früheren Kameraden schwer belastet hat. Hamit P. soll allerdings seinerseits bereits im Januar von der Bande ausgeschlossen worden sein. Aus den Kreisen der Osmanen heißt es dazu, P. habe wegen diverser Straftaten die Gang verlassen müssen.

Bislang ist unklar, weshalb ein Beamter des SEK auf P. schoss. Die Essener Kriminalpolizei soll den Verlauf der gescheiterten Festnahme nun aufklären.

Systematische Agitation gegen vermeintliche Feinde der Türkei

Die Osmanen Germania entstanden vor Jahren im Frankfurter Raum. Mehmet B. - er nannte sich wenig später "Weltpräsident" - und Selcuk S. gründeten die Bande, der heute noch etwa 500 Männer angehören sollen. Nach Erkenntnissen der Behörden könnte der türkische Auslandsnachrichtendienst MIT Einfluss auf die Gang ausgeübt haben. Dafür sprechen unter anderem die systematische Agitation der Osmanen gegen vermeintliche Feinde der Türkei: Osmanen traten unter anderem bei politischen Pro-Erdogan-Kundgebungen auf, was eher untypisch für die Rocker-Szene ist.

In Nordrhein-Westfalen sind nach Erkenntnissen der Polizei etwa zwei von drei Osmanen bereits strafrechtlich aufgefallen, meist mit Körperverletzungen, Drogen- und Eigentumsdelikten. Ermittler gehen davon aus, dass Osmanen vielfach in Schlägereien und Messerstechereien verwickelt waren, dass sie bei ihren archaischen Revierkämpfen Schusswaffen einsetzten und sogar Handgranaten warfen. In einem vertraulichen Lagebericht heißt es, es sei mit "exzessiver Gewalt" zu rechnen, wenn die nationalistischen Osmanen auf verfeindete Kurden träfen.

Tatsächlich lieferten sich die Osmanen schon blutige Straßenschlachten mit türkischen Kurden, organisiert in der Gang "Bahoz", zu Deutsch: "Sturm". Nachdem das Stuttgarter LKA eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet und zahlreiche Rädelsführer der Banden festgenommen hatte, beruhigte sich die Lage. Die Osmanen bestreiten, nationalistisch zu sein. Auch habe man "nicht die geringste Verbindung zu kriminellen Machenschaften", teilten sie in der Vergangenheit mit.

Schon im Frühjahr 2017 hatten B. und S. ihre Kutten beim hessischen LKA abgegeben. Sie fühlten sich kriminalisiert, von den Behörden und Medien falsch dargestellt und wollten die Gang verlassen. Angeblich. Doch die Ermittler misstrauen dem etwas zu theatralischen Schritt. Sie gehen weiterhin davon aus, dass das Duo die Geschicke der Osmanen lenkt. Inzwischen nur eben aus dem Gefängnis heraus.

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