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05. Februar 2013, 14:18 Uhr

Schwangere Schülerin

Vergewaltigte erstreitet Rekord-Schmerzensgeld

Der Vergewaltiger einer schwangeren Schülerin muss seinem Opfer vier Jahre nach der Tat ein Schmerzensgeld in Rekordhöhe zahlen. Das Landgericht Wuppertal entschied zugunsten der heute 20 Jahre alten Frau - und ging bei der Summe sogar über deren Forderung hinaus.

Wuppertal - Das Wuppertaler Landgericht hat einer jungen Frau, die vor vier Jahren vergewaltigt wurde, ein Rekord-Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zugesprochen. Es ist nach Gerichtsangaben das höchste bislang in Deutschland verhängte Schmerzensgeld für ein Vergewaltigungsopfer. Der Anwalt des Vergewaltigers will die Entscheidung anfechten (Az.: 16 O 95/12).

Die 16. Zivilkammer des Gerichts berücksichtigte die besonders schwerwiegenden Umstände der Tat: Die heute 20-jährige Frau war als Schülerin im Alter von 16 Jahren in Solingen entführt, tagelang gefangengehalten und immer wieder vergewaltigt worden. Zur Tatzeit war sie schwanger.

Der Täter war 2009 zu zwölfeinhalb Jahren Haft wegen Geiselnahme und Vergewaltigung verurteilt worden. Gutachter hatten den Mann als besonders gefährlich eingestuft. Weil er Ersttäter war, konnte das Gericht aber keine Sicherungsverwahrung gegen ihn verhängen. Der Sexualverbrecher stammt aus wohlhabendem Elternhaus und soll Immobilien besitzen.

Der Mann hatte laut Gericht im Oktober 2009 bereits ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro an die Klägerin geleistet. Nun forderte die junge Frau die Zahlung eines weitergehenden Schmerzensgeldes in Höhe von mindestens 60.000 Euro. Die Klägerin war im Mai 2009 auf dem Schulweg überfallen und verschleppt worden. Sie wurde vier Tage lang im Haus des damals 29-Jährigen gefangengehalten, dann gelang ihr die Flucht.

"Unfasslich anmutendes Tatgeschehen"

Das Wuppertaler Landgericht war schon bei seinem Strafurteil über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinausgegangen und hatte von einem "unfasslich anmutenden Tatgeschehen" gesprochen. Der arbeitslose Verkäufer hatte die Schülerin mindestens viermal stundenlang vergewaltigt.

Obwohl die Schülerin ihrem Peiniger sagte, im vierten Monat schwanger zu sein, hatte der 29-Jährige nicht von ihr abgelassen. Immer wieder hatte er gedroht, sie umzubringen, wenn sie nicht leise sei. Er werde sie nie wieder gehen lassen.

Der psychiatrische Gutachter hatte vor dem Solinger eindringlich gewarnt: Der Mann habe die Tat genossen und sich ihm gegenüber sehr erschreckend geäußert: "Hätte ich gewusst, wie toll das ist, hätte ich so etwas schon viel früher getan." Der Mann sei ein schizoider Einzelgänger, der keine Reue zeige und sehr geplant handele. In seiner Wohnung fanden die Ermittler sogar eine Art Drehbuch für die Geiselnahme.

wit/dpa

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