Zeitungsbericht: Berlin unterstützt im Fall Marco Klage in Straßburg

Der Fall Marco sorgt für Spannungen zwischen der Türkei und der EU: Einem Zeitungsbericht zufolge unterstützt die Bundesregierung eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, sollte der in Antalya angeklagte 17-Jährige nicht zügig aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

Berlin - Die Anwälte des seit mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft sitzenden Schülers hatten angekündigt, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage einreichen zu wollen. Die "Bild"-Zeitung berichtete in ihrer heutigen Ausgabe, auch die Bundesregierung wolle einer solchen Klage beitreten - falls bei dem für den 14. Dezember avisierten Gerichtstermin in Antalya keine Entscheidung über die Haftentlassung des Schülers fallen sollte. Die "Bild"-Zeitung zufolge bedeutet dies, dass sich Berlin auch an den Kosten des Verfahrens beteiligen würde. "Hinter den Kulissen" bemühten sich Kanzleramt und Ministerien "intensiv" um den Schüler aus Uelzen, heißt es.

Seit mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft: Marco W.
DPA

Seit mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft: Marco W.

Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge haben die Vorsitzenden aller Fraktionen des europäischen Parlaments auf Initiative der Liberalen den EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn bereits vor Tagen aufgefordert, sich bei der Regierung in Ankara für ein rechtsstaatliches Verfahren im Fall des 17-jährigen Deutschen einzusetzen.

"Egal, ob Marco schuldig ist oder nicht: Einen Minderjährigen sieben Monate lang in Untersuchungshaft gefangen zu halten verstößt gegen alle rechtsstaatlichen Prinzipien der EU", sagte die Vizechefin der Liberalen im Europaparlament, Silvana Koch-Mehrin (FDP) der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dass die Aussageprotokolle des mutmaßlichen Missbrauchopfers Charlotte aus Großbritannien noch immer nicht dem Gericht in Antalya vorliegen, sei "ein Skandal".

Weitere Politiker übten heftige Kritik an dem schleppenden Verlauf des Verfahrens gegen den deutschen Schüler. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte der "Bild"-Zeitung: "Es ist unzumutbar, wenn ein junger Mensch unter der Schlamperei von Behörden zu leiden hat, die ihm die kostbarste Zeit seines Lebens nehmen - die Jugend." Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, erklärte: "Die Verzögerungen des Verfahrens sind für mich nicht nachvollziehbar. Ich appelliere an die türkische Justiz, Marco unverzüglich aus der U-Haft, gegebenenfalls unter Auflagen, freizulassen."

Die Verhandlung gegen Marco war am Dienstag im türkischen Antalya auf den 14. Dezember vertagt worden. Der Jugendliche soll im April im türkischen Urlaubsort Side in einem Hotelzimmer die 13-jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht haben.

Der Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen weist dies zurück und spricht von Zärtlichkeiten auf beiderseitigen Wunsch. Die offizielle türkische Übersetzung der Aussage von Charlotte lag dem Gericht in Antalya weiterhin nicht vor.

ala/ddp /AP/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite