Verfahren gegen James Bulger Zeuge in Mafia-Prozess tot aufgefunden

Im Prozess gegen den Bostoner Ex-Mafiaboss James Bulger, genannt "Whitey", ist ein Zeuge tot aufgefunden worden. Die Todesursache wird zur Zeit untersucht. Der 83-jährige Bulger war 2011 festgenommen worden, ihm werden unter anderem 19 Morde vorgeworfen.

AP

Boston - Noch einmal kehrte der Schrecken nach Boston zurück, den James Bulger, genannt "Whitey", und seine Bande dort in den siebziger und achtziger Jahren verbreiteten: Der frühere Inhaber eines Alkohol-Geschäfts, Stephen Rakes, wollte gegen den Ex-Mafiaboss aussagen - und wurde am Mittwoch tot aufgefunden.

Rakes stand auf der Zeugenliste, war jedoch bislang nicht im Prozess aufgetreten. Bulger soll ihn angeblich 1984 erpresst haben. Laut der Staatsanwaltschaft hat der frühere Mafiaboss den Ladeninhaber Rakes und seine damalige Frau mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, ihm sein Geschäft zu verkaufen.

Rakes' Ex-Frau Julie Dammers Rakes sei über die Todesnachricht "überrascht und schockiert" gewesen, teilte einer ihrer Anwälte mit. Dieser zog jedoch auch in Zweifel, dass der Tod des 59-Jährigen irgendetwas mit dem Prozess gegen Bulger zu tun habe. Der Leichnam Rakes' wird zur Zeit von der Gerichtsmedizin untersucht. Es seien keine offensichtlichen Zeichen von Gewalteinwirkung erkennbar, teilte die lokale Bezirksstaatsanwaltschaft mit.

Im Prozess gegen Bulger sagen eine Reihe von Erpressungsopfern aus, die jahrzehntelang unter der Gewaltherrschaft Bulgers und seiner "Winter Hill"-Gang litten. Allerdings setzt die Staatsanwaltschaft vor allem auf Bulgers frühere Komplizen wie den Auftragskiller Johnny Martorano oder Stephen Flemmi, angeblich lange Zeit die rechte Hand des Mafiabosses.

Verbindungen zum FBI

Flemmi, genannt "Rifleman", erschien am Donnerstag erstmals vor Gericht. Er sitzt selbst seit 2004 in Haft und hat schon zehn Morde zugegeben. Ein Deal mit der Staatsanwaltschaft ersparte ihm die Todesstrafe - dafür soll er nun gegen seinen früheren Komplizen aussagen. Außerdem verspricht sich die Staatsanwaltschaft von seiner Aussage Informationen über die Verquickungen Bulgers mit dem FBI.

Die Behörde hatte bereits eingeräumt, dass Bulger zwischen 1975 und 1990 als Informant der Ermittlungsbehörden gearbeitet haben soll. Der frühere Agent John Connolly, der Bulger persönlich engagiert haben will, wurde 2002 und 2005 unter anderem wegen Mordes zu insgesamt 50 Jahren Haft verurteilt. Er hatte Bulger demnach bei vielen Taten geholfen und seine Flucht gedeckt. Bulger war 1995 untergetaucht und hatte bis 2011 unbehelligt als Pensionär in Südkalifornien gelebt.

Gegen die mangelnde Unterstützung durch die US-Behörden hatte sich auch der frühere Ladenbesitzer Rakes aufgelehnt. Er verklagte 2002 die amerikanische Regierung, sie habe ihn nicht ausreichend vor Bulgers Gang beschützt. Die Klage wurde damals von einem Bundesrichter abgewiesen. Den Prozess gegen Bulger hatte er laut dem Anwalt seiner Ex-Frau intensiv verfolgt - er wollte demnach unbedingt gegen den Mafiaboss aussagen. Das müssen nun andere für ihn tun.

usp/Reuters/AP

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insgesamt 2 Beiträge
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Jochen aus F 19.07.2013
1. Lässt sich also vor Gericht nicht klären...
Die Staatsanwaltschaft würde gerne wissen, was das FBI mit dem Angeklagten ausgekungelt hat. Und kann es offenbar nicht einmal vor Gericht, obgleich mindestens 20 Jahre später(!) auf dem Dienstweg klären. Das ist schon interessant, was da abgeht. Bemerkenswert gar.
privat23 22.07.2013
2. Zeugen
Zitat von sysopAPIm Prozess gegen den Bostoner Ex-Mafiaboss James Bulger, genannt "Whitey", ist ein Zeuge tot aufgefunden worden. Die Todesursache wird zur Zeit untersucht. Der 83-jährige Bulger war 2011 festgenommen worden, ihm werden unter anderem 19 Morde vorgeworfen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/zeuge-im-prozess-von-ex-mafiaboss-james-whitey-bulger-tot-aufgefunden-a-911954.html
leben nicht nur in den USA teilweise gefährlich. Da reicht ein Blick nach Deutschland vollkommen.
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