NSU-Prozess: Zeugin will Zschäpe vor Anschlag in Dortmund gesehen haben
Ihre Aussage war mit Spannung erwartet worden: Im NSU-Prozess hat eine Zeugin bekräftigt, Beate Zschäpe im April 2006 in Dortmund gesehen zu haben - kurz bevor dort das achte Opfer des Terror-Trios erschossen wurde.
München - Mehmet Kubasik war das mutmaßlich achte Opfer des NSU. Am 4. April 2006 wurde der damals 39-jährige Kioskbesitzer in seinem Laden mit zwei Kopfschüssen getötet. Tatwaffe war den Ermittlern zufolge eine Ceska 83, aus der durch eine Plastiktüte insgesamt drei Schüsse abgefeuert wurden.
Vor dem Oberlandesgericht München hat nun eine Journalistin ausgesagt, das Terror-Trio wenige Tage vor dem 4. April in Dortmund gesehen zu haben. Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten zusammen mit einem "Skinhead" auf einem Nachbarbargrundstück gestanden, schilderte die Journalistin vor dem Oberlandesgericht München. Sie habe die Gruppe von einem Dachfenster aus beobachtet. Sie habe den Eindruck gehabt, der "Skinhead" habe den dreien etwas auf dem Grundstück gezeigt.
Sie habe dann das Fenster geöffnet und direkten Blickkontakt mit Zschäpe gehabt. "Sie hat nicht den Blick gesenkt, sondern etwas zur Seite gesagt", schilderte die Zeugin. Daraufhin sei die Gruppe "in militärischer Ordnung" im Haus verschwunden.
Die Zeugin wohnte damals in Dortmund und hielt die vier Personen laut eigener Aussage zunächst für neue Nachbarn. Sie habe beobachtet, wie nachts auf dem Grundstück gegraben und etwas mit Folie bedeckt worden sei, hatte die Frau vor ihre Aussage einem Oberstaatsanwalt der Bundesanwaltschaft und zwei Kommissaren des Bundeskriminalamts berichtet.
Einige Ermittler sind der Meinung, die Zeugin könne sich geirrt haben. Bei einer Vernehmung des Nachbarn der Journalistin habe dieser angegeben, seine Frau sehe Beate Zschäpe ähnlich. Es könne sich mithin um sie und nicht die Angeklagte gehandelt haben.
Bisher haben die Ermittler keine Hinweise, dass Zschäpe bei einem der zehn NSU-Morde in Tatortnähe war. Die mit Spannung erwartete Aussage der Belastungszeugin im NSU-Prozess hatte sich zunächst verzögert. Auf Antrag der Verteidigung gewährte das Gericht den Verteidigern und Nebenklagevertretern zunächst Einsicht in Fotos, die neu zu den Akten genommen wurden.
ala/dpa
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