Protest der Anwälte: Bundesanwaltschaft verteidigt Vorgehen im Fall Zschäpe

Übers Fernsehen erfuhr die inhaftierte Terrorverdächtige Beate Zschäpe, dass die Bundesanwaltschaft Mordanklage gegen sie erhebt. Einer ihrer Anwälte beklagte im SPIEGEL, die Medien hätten früher Bescheid gewusst als ihre Mandantin. Die Bundesanwaltschaft reagiert auf die Vorwürfe.

Beate Zschäpe im Jahr 2011: Wegen Mordes in zehn Fällen angeklagt Zur Großansicht
dapd/ BKA

Beate Zschäpe im Jahr 2011: Wegen Mordes in zehn Fällen angeklagt

Seine Mandantin sei sehr irritiert darüber gewesen, dass sie von den konkreten Vorwürfen aus den Medien erfuhr, bevor ihre Verteidiger mit ihr sprechen konnten, sagte Wolfgang Stahl, einer der Anwälte Beate Zschäpes, dem SPIEGEL.

Die Bundesanwaltschaft hatte vergangenen Donnerstag Anklage gegen Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer erhoben. Die 37-Jährige soll Mitbegründerin des vor gut einem Jahr aufgeflogenen "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gewesen sein, dem insgesamt zehn Morde an Migranten und einer Polizistin zur Last gelegt werden. Von der Anklage erfuhr sie allerdings nicht von ihrem Anwalt, sondern aus dem Fernsehen: Als Verteidiger Stahl Zschäpe telefonisch informieren wollte, sah sie gerade die Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft.

Wesentliche Inhalte der Anklageschrift der Öffentlichkeit zu präsentieren, stoße auf völliges Unverständnis, so der Zschäpe-Verteidiger Stahl im SPIEGEL. Er bezeichnete das Vorgehen als "Verstoß gegen die Richtlinien für das Strafverfahren. Wesentliche Rechte der Verteidigung wurden ignoriert."

Die Bundesanwaltschaft hingegen verteidigt ihr Vorgehen am Sonntag erneut. Zwar räumte sie ein, dass die Anklageerhebung in den Medien publik gemacht wurde, bevor die Anwälte umfassend unterrichtet worden waren. Das Vorgehen sei jedoch "ausnahmsweise" gewählt worden, "um Spekulationen über den Inhalt der Anklageschrift zu begegnen und einer Fehlinformation der Öffentlichkeit vorzubeugen". Die Verteidiger der Angeschuldigten seien telefonisch über diesen Schritt informiert worden.

Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL. Hier können Sie das Heft ab Sonntag um 8 Uhr kaufen.

mit Material von dpa

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