Zugunglück in Mannheim Staatsanwaltschaft klagt Lokführer an

35 Menschen wurden verletzt, als im August 2014 ein Güterzug einen Eurocity in Mannheim rammte. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Lokführer erhoben - er soll Warnungen ignoriert haben.

Unglücksstelle am Mannheimer Hauptbahnhof (2014)
DPA

Unglücksstelle am Mannheimer Hauptbahnhof (2014)


Mehr als eineinhalb Jahr nach einem schweren Zugunglück mit 35 Verletzten in Mannheim hat die Staatsanwaltschaft einen Lokführer angeklagt. Der 62-Jährige habe ein Haltesignal übersehen und Warnungen ignoriert, teilte die Behörde mit. Er habe sich so der Gefährdung des Bahnverkehrs und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht.

Die Staatsanwaltschaft erhob die Anklage vor dem Amtsgericht Mannheim. Wann es dort zu einem Prozess kommt, steht noch nicht fest. Der 62-Jährige war Lokführer eines niederländischen Güterzuges des Unternehmens ERS Railways, der im August 2014 mit einem Eurocity zusammengestoßen war.

Insgesamt befanden sich in dem Eurocity etwa 250 Fahrgäste. Zwei Waggons mit 110 Reisenden kippten um, 35 Menschen wurden verletzt. Der Unfall kostet die Deutsche Bahn nach eigener Aussage mehrere Hunderttausend Euro.

Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin Ermittlungen aufgenommen. Schnell war klar, dass die Unfallursache auf menschliches Versagen zurückging. Der jetzt angeklagte Lokführer ist den Ermittlern zufolge kein Mitarbeiter der Deutschen Bahn, sondern Triebfahrzeugführer einer Personalagentur.

Der Mann hatte nach dem Unglück Fehler eingeräumt. Er habe ausgesagt, ein Haltesignal übersehen zu haben, erklärte ein Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Der Zug sei dann automatisch gestoppt worden. "Er ging davon aus, dass er zu Unrecht zwangsgebremst wurde, so hat er es geschildert." Daher sei er trotzdem wieder angefahren.

mxw/dpa

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