Zugunglück in Spanien: Lokführer räumt Unachtsamkeit ein

Tagelang schwieg José G. zum Zugunglück bei Santiago de Compostela - nun hat der Lokführer eingeräumt, unachtsam gewesen zu sein. Zwei Stunden gab er vor einem Ermittlungsrichter Auskunft, dann kam er unter Auflagen frei.

Santiago de Compostela - Ihm wird fahrlässige Tötung in 79 Fällen vorgeworfen: Der Lokführer des bei Santiago de Compostela entgleisten Zuges hat vor einem Ermittlungsrichter eingeräumt, unachtsam gewesen zu sein. Rund zwei Stunden wurde Francisco José G. am Sonntagabend vernommen. Dann wurde er unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen.

Richter Luis Alaez habe entschieden, G. müsse sich einmal in der Woche beim Gericht melden, berichteten spanische Zeitungen. Dem Beschuldigten sei der Reisepass abgenommen worden. Zudem dürfe er bis auf weiteres keine Züge mehr fahren. Zu der Vernehmung am Unglücksort in Santiago de Compostela war G. in Handschellen geführt worden.

Innenminister Jorge Fernández Díaz hatte bereits am Tag zuvor mitgeteilt, dass wegen fahrlässiger Tötung ermittelt werde. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Lokführer am Mittwochabend wenige Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof des Pilgerortes Santiago im Nordwesten des Landes den Zug in einer Tempo-80-Zone mit 190 Kilometern pro Stunde ins Unglück gefahren.

G. war bereits Donnerstag im Krankenhaus festgenommen worden. Einem Bericht der Zeitung "El Mundo" zufolge soll er kurz nach dem Unglück gesagt haben: "Ich habe es vermasselt, ich möchte sterben." Spekulationen, G. habe zum Zeitpunkt des Unglücks mit seinem Handy telefoniert, hätten die Ermittler allerdings zurückgewiesen.

Erste Opfer beigesetzt

Die Zahl der Todesopfer stieg auf 79. Eine US-Amerikanerin erlag ihren Verletzungen. Die Behörden befürchteten, dass in den nächsten Tagen weitere Verletzte sterben könnten. Amtlichen Angaben zufolge wurden am Sonntag noch 70 Menschen in Krankenhäusern von Santiago behandelt. 21 von ihnen befänden sich noch in kritischem Zustand, hieß es. Die offizielle Trauerfeier für die 79 Todesopfer soll am Montagabend in der Kathedrale von Santiago stattfinden. Die ersten Verstorbenen wurden am Samstag beigesetzt.

Vorwürfe von Gewerkschaften, Medien und Kollegen des Lokführers, die Sicherheitssysteme an der engen Unglückskurve seien unzureichend, wies Verkehrsministerin Ana Pastor zurück. Das System erfülle alle spanischen und europäischen Vorschriften. "Auch die Arbeiter müssen sich an die Vorschriften halten", sagte sie.

Der beim Unfall am Kopf verletzte G. wurde auch vom Chef der Eisenbahninfrastruktur-Behörde Adif, Gonzalo Ferre, belastet. Der Eisenbahner hätte den Bremsvorgang gemäß den Sicherheitsvorschriften schon vier Kilometer vor der Unfallstelle beginnen müssen, sagte Ferre. Er sagte, alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert.

Warum der Zug viel zu schnell in die Kurve vier Kilometer vor dem Bahnhof des Wallfahrtsortes einfuhr, ist unklar. Die Lokführer-Gewerkschaft Semaf nahm den Lokführer in Schutz und erklärte, das Sicherheitssystem kurz vor Santiago beim Übergang von der Hochgeschwindigkeits- auf die Normalstrecke sei ungeeignet.

ulz/dpa

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Unglücksstelle bei Santiago de Compostela: "Die Anwohner sind die wahren Helden"

Bevölkerung: 46,196 Mio.

Fläche: 505.988 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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