Zugunglück in Spanien Lokführer telefonierte beim Crash

Als der Zug bei Santiago de Compostela entgleiste, telefonierte Lokführer José G. Er soll zu dem Zeitpunkt zudem ein Dokument gelesen haben. Der Zug raste mit einer Geschwindigkeit von mehr als 150 Kilometern pro Stunde ins Unglück - erlaubt war an der Stelle nur Tempo 80.

Lok des entgleisten Zuges: Lokführer telefonierte laut Gericht
AP

Lok des entgleisten Zuges: Lokführer telefonierte laut Gericht


Santiago de Compostela - Der Lokführer des in Spanien entgleisten Zuges war bei dem Unglück offenbar abgelenkt. José G. telefonierte, während der Zug mit einer Geschwindigkeit von mehr als 150 Kilometern in der Stunde aus den Schienen flog. "Wenige Minuten vor der Entgleisung erhielt der Lokführer einen Anruf auf seinem Diensttelefon", teilte das Gericht mit.

Ein Bahnmitarbeiter habe ihm die Route des Zuges nach dem Passieren von Santiago erklärt. Dem Inhalt des aufgezeichneten Gesprächs und den Hintergrundgeräuschen zufolge habe der Fahrer eine Karte oder ein ähnliches Papierdokument konsultiert, heißt es in der Erklärung des Gerichtes.

"Einige Sekunden vor dem Unfall wurde eine Bremse aktiviert", heißt es weiter. Der Zug sei mit einer Geschwindigkeit von 192 Stundenkilometern gefahren. Nach einem Bremsmanöver sei die Bahn mit Tempo 153 entgleist. Erlaubt war an der Stelle Tempo 80.

Bislang hatte der Lokführer nur gesagt, er sei bei dem Unfall unachtsam gewesen. G. muss sich wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen verantworten.

G. war nach der Vernehmung durch Ermittler unter Auflagen freigekommen. Ihm wurde der Reisepass abgenommen, er muss sich einmal in der Woche beim Gericht melden. Zudem darf er bis auf weiteres keine Züge mehr fahren.

Bei dem Unglück bei Santiago de Compostela waren am vergangenen Mittwoch 79 Menschen gestorben. Mit einer Trauerfeier wurde am Montagvormittag der Toten gedacht.

ulz/AFP/AP

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