Zugunglück von Bad Aibling Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Fahrdienstleiter

Nach dem Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben gegen den zuständigen Fahrdienstleiter.

Zerstörte Waggons an der Unfallstelle
DPA

Zerstörte Waggons an der Unfallstelle


Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat Anklage gegen den Fahrdienstleiter von Bad Aibling erhoben. Sie wirft dem Mitarbeiter der Deutschen Bahn fahrlässige Tötung in zwölf Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen vor.

Es bestehe der Verdacht, "dass der Fahrdienstleiter entgegen einem bestehenden Verbot im Dienst bis unmittelbar vor der Kollision der Züge durch die Nutzung eines Online-Computerspiels abgelenkt war", teilte die Ermittlungsbehörde am Montag mit. Daher sei der Mann von falschen Annahmen ausgegangen, was den Kreuzungsverkehr der beiden Züge betrifft. Der Fahrdienstleiter sitzt seit April in Untersuchungshaft.

Beim Zusammenstoß zweier Nahverkehrszüge waren am 9. Februar zwölf Menschen ums Leben gekommen und mehr als 80 Insassen verletzt worden.

Zwei Personenzüge waren auf eingleisiger Strecke miteinander kollidiert. Als Ursache wurde menschliches Versagen angenommen. Eine der Hypothesen lautete, dass der Fahrdienstleiter zwar zwei Nothaltaufträge über Zugfunk abgegeben haben soll. Diese sollen aber aufgrund eines Übertragungsfehlers nicht an die Triebfahrzeugführer, sondern an die Fahrdienstleiter der Umgebung gegangen sein. Der Vorwurf: Der Mann soll am Funkgerät eine falsche Tastenkombination gedrückt haben.

Ein technischer Defekt konnte nicht festgestellt werden. "Die Überprüfung der bahntechnischen Anlagen an der Unfallstrecke und im Stellwerk einschließlich der Funktechnik durch mehrere technische Sachverständige ergab keine Anhaltspunkte für technische Mängel als Unfallursache", hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Das Landgericht Traunstein muss nun prüfen, ob es die Anklage zulässt. Stimmt sie zu, muss die zuständige Kammer eine Hauptverhandlung ansetzen und dafür Termine bestimmen. Die Vorbereitungszeit wird von Verfahrenskennern auf drei bis vier Monate geschätzt. Der Prozess könnte also noch in diesem Jahr beginnen. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

ala/dpa

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