Urteil gegen 20-Jährige Er starb, sie hörte zu

Michelle C. trieb ihren Freund Conrad R. mit Kurznachrichten in den Suizid. Nun ist sie vor Gericht schuldig gesprochen worden.

Michelle C.  im Gerichtssaal
AP/ Fairhaven Neighborhood News

Michelle C. im Gerichtssaal


"Ich dachte, du wolltest es tun. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, du musst es tun." Das war die letzte Nachricht, die Michelle C. ihrem Bekannten Conrad R. am 12. Juli 2014 geschickt haben soll. Kurz danach nahm er sich das Leben. Jetzt wurde C. wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen, ihr droht eine lange Haftstrafe.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass sie Mitschuld am Tod von R. trägt. Der 18-Jährige hatte sich mit Autoabgasen das Leben genommen. Die Staatsanwaltschaft hatte der heute 20-Jährigen vorgeworfen, am Telefon zugehört zu haben, während R. starb.

Besonders schwer wogen die Vorwürfe, C. habe ihn davon abgehalten, den Wagen zu verlassen. Er habe Zweifel bekommen und sei ausgestiegen. "Steig wieder rein", soll C. ihrem Freund am Telefon gesagt haben. Das sagte eine Freundin der Angeklagten aus. C. hatte der Zeugin einen Monat nach dem Suizid von den schrecklichen Ereignissen berichtet. Es wäre ihre Pflicht gewesen, Hilfe zu rufen, so Richter Lawrence Moniz. "Sie hat nichts unternommen." Er sprach von mutwilliger Leichtsinnigkeit.

Die junge Frau brach in Tränen aus, als Moniz die Ereignisse des 12. Juli 2014 rekapitulierte. Ihr drohen nun bis zu 20 Jahre Haft. Am 3. August wird über das Strafmaß entschieden. Sie bleibt zunächst auf Kaution frei, darf sich aber weder der Familie des Toten nähern, noch den Staat Massachusetts verlassen.

Die Verteidigung hatte argumentiert, R. sei depressiv gewesen und habe mehrfach versucht, sich umzubringen. C. habe zunächst sogar noch versucht, ihren Freund von seinem Vorhaben abzubringen. Für das Gericht spielte diese Vorgeschichte jedoch keine Rolle. Der Vater des Toten sprach von einem guten Urteil. Es sei eine sehr harte Zeit für ihn und seine Familie gewesen.

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asz/AP



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