Zweifel an Schuld Gericht spricht Angeklagten in Doppelmordprozess frei

Sechs Monate dauerte die Verhandlung, am Schluss fehlten handfeste Beweise: Ein wegen Doppelmordes angeklagter Mann ist vom Landgericht Schweinfurt freigesprochen worden. Wer die Opfer erschossen hat, ist somit auch eineinhalb Jahre nach der Tat unklar.


Schweinfurt - Er war wegen Doppelmordes angeklagt: Ein Bauunternehmer musste sich vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten, weil er im August 2009 seinen verheirateten Onkel und dessen Geliebte erschossen haben soll. Doch aus Mangel an Beweisen wurde der 30-Jährige nun nicht schuldig gesprochen. Der Schwurgerichtskammer fehlten stichhaltige Belege dafür, dass er die Tat begangen hat. "Im Zweifel für den Angeklagten", sagte die Vorsitzende Richterin.

Der Mann hatte die Bluttat stets bestritten. Die Verteidigung glaubt, dass ein Profikiller den 35-Jährigen und dessen 30 Jahre alte Schwägerin mit je drei Kopfschüssen ermordet hat. Sie hatte für ihren Mandanten Freispruch gefordert.

Die Staatsanwaltschaft wollte den Bauunternehmer lebenslang ins Gefängnis schicken, auch wenn nur Indizien auf seine mögliche Schuld hinwiesen. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden, Zeugen gibt es keine, der Todeszeitpunkt der Opfer auf dem Parkplatz des Schweinfurter Eissportzentrums ist strittig.

Die Staatsanwaltschaft war dennoch davon überzeugt, dass der 30-Jährige die Familienehre durch die Affäre seines verheirateten Onkels mit der geschiedenen Frau in Gefahr sah. Die Opfer und der Bauunternehmer stammen aus dem Irak. "Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass der Angeklagte das Verhältnis seines Onkels missbilligte", sagte die Richterin in ihrer stundenlangen Urteilsbegründung. Doch dies und andere Indizien reichten nicht für einen Schuldspruch. "Objektive Beweismittel, die die Täterschaft des Angeklagten belegen, konnten nicht festgestellt werden."

wit/dpa



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