Zwickauer Zelle Rechtsterroristen sollen aus Wohnmobil geschossen haben

Möglicherweise wurden Polizisten aus dem Wohnmobil beschossen, in dem die Leichen der NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gefunden wurden. Nach Angaben des Bundeskriminalamts berichteten zwei Beamte von "drei Knallgeräuschen".

Ausgebranntes Wohnmobil in Eisenach: Wurden aus dem Fahrzeug Polizisten beschossen?
DPA

Ausgebranntes Wohnmobil in Eisenach: Wurden aus dem Fahrzeug Polizisten beschossen?


Karlsruhe/Wiesbaden - Die Ermittlungen zum Tod von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, Mitglieder des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), haben offenbar ein neues Detail ans Licht gebracht. Aus dem Wohnmobil, in dem sich Böhnhardt und Mundlos umbrachten, soll die Polizei beschossen worden sein. Die Aussagen der beiden eingesetzten Polizeibeamten ließen den Schluss zu, dass es bei ihrer Annäherung an das Fahrzeug "vermutlich aus dem Wohnmobil heraus eine Schussabgabe gegeben hat", teilte das Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag mit.

Die beiden Polizisten berichteten von insgesamt drei Knallgeräuschen. Mundlos hatte den Ermittlungen zufolge seinen Komplizen Böhnhardt am 4. November in dem Wohnmobil mit einem Schuss in die Schläfe getötet, danach das Fahrzeug in Brand gesetzt und sich anschließend selbst erschossen haben.

Die Situation, in der man die beiden toten Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe im Wohnmobil gefunden habe, stütze die Aussage der Beamten, so das BKA. Im Fahrzeug wurde "unter anderem griffbereit eine mutmaßlich defekte Maschinenpistole aufgefunden, aus der möglicherweise ein weiterer Schuss abgegeben wurde".

Suche nach dem Projektil

Beim Absuchen des Tatorts sei eine mögliche Einschussstelle außerhalb des Wohnmobils festgestellt worden. Die Suche nach dem dazugehörigen Projektil dauere an.

Der Fund der zwei Leichen in dem Wohnmobil hatte den Fall der Neonazi-Terrorzelle mit ins Rollen gebracht. In dem Fahrzeug hatten Fahnder die Dienstwaffen der 2007 ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter und ihres schwer verletzten Kollegen gefunden. Wenig später stellte sich NSU-Mitglied Beate Zschäpe der Polizei.

Das braune Terror-Trio verfügte nach bisherigen Ermittlungen über 19 Schusswaffen. Elf fanden sich in dem Haus, dass Zschäpe nach dem Freitod der beiden Männer in Zwickau anzündete, bevor sie sich schließlich stellte. Die übrigen Waffen hatten Mundlos und Böhnhardt in dem Wohnmobil bei sich.

Die beiden Männer hatten kurz vor ihrem Tod eine Sparkassenfiliale in einem Eisenacher Plattenbauviertel überfallen und dabei etwa 70.000 Euro erbeutet. Zweieinhalb Stunden später hatten Einsatzkräfte in einem Eisenacher Vorort die Toten entdeckt.

ulz/dapd/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
PeteLustig, 22.11.2011
1. .
19 Waffen, 2 davon den Opfern aus dem Heilbronner Attentat entwendet, also 17 Waffen aus vermutlich illegaler Quelle, können nicht "im Untergrund lebend" organisiert worden sein. Die Unterstützer der Gruppe, welche diese illegalen Waffen beschafften, sollten dringend ermittelt werden - steht zu befürchten, dass auch andere Kriminellen auf diesem Wege "versorgt" werden.
Eutighofer 22.11.2011
2. so ist es:
Zitat von PeteLustig19 Waffen, 2 davon den Opfern aus dem Heilbronner Attentat entwendet, also 17 Waffen aus vermutlich illegaler Quelle, können nicht "im Untergrund lebend" organisiert worden sein. Die Unterstützer der Gruppe, welche diese illegalen Waffen beschafften, sollten dringend ermittelt werden - steht zu befürchten, dass auch andere Kriminellen auf diesem Wege "versorgt" werden.
2002 schätzte die Gewerkschaft der Polizei die Zahl der illegalen Schusswaffen in Deutschland auf 20 Millionen, die Größenordnung wurde seither nie ernsthaft bestritten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,450175,00.html Es gibt in Deutschland also möglicherweise mehr illegale Waffen als legale Waffen. Es ist (leider) kein Problem, illegale Waffen zu kaufen, sonst gäbe es ja nicht die große Zahl illegaler Waffen.
atzlan 22.11.2011
3. ...
Zitat von sysopMöglicherweise wurden Polizisten aus dem Wohnmobil beschossen, in dem die Leichen der NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gefunden wurden. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes berichteten zwei Beamte von "drei Knallgeräuschen". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,799349,00.html
Was ist denn jetzt daraus geworden: "...Zeugen wollen gesehen haben, wie Beate Z. gegen 12 Uhr den Wagen verließ, der kurz darauf in Flammen aufging. Im Fahrzeug fanden Ermittler die Leichen von Uwe B. und Uwe M., Geldscheine aus dem Überfall - und zwei Pistolen des Typs Heckler & Koch P2000. ...Die Männer starben an einem Brust- und einem Kopfschuss." http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,796675,00.html Plötzlich soll also noch eine Maschinenpistole aufgetaucht sein (nach dem bereits nachträglichen Auftauchen von "Langwaffen"), die zwar defekt ist, aus der aber angeblich auf die Polizisten geschossen wurde. "Die Anwohner hätten zwar das brennende Wohnmobil gesehen, konnten sich jedoch an keine Schüsse erinnern, schreibt stern.de." http://www.welt.de/politik/deutschland/article13727823/Zweifel-an-Selbstmord-von-Boehnhardt-und-Mundlos.html Und die Polizisten sind genau in dem kurzen Zeitfenster vom Verschwinden von Beate Z. vom Wohnwagen bis zu seiner Entflammung aufgetaucht und haben natürlich nichts von der Frau bemerkt... Da Mundlos Böhnhardt in die Schläfe schoss, muss er sich angeblich mit einem Schuss in die Brust selbst getötet haben - der Mann muss Masochist sein, oder warum wählt er für sich nicht dieselbe, quallosere Variante wie bei seinem Partner? Die Story stinkt nicht nur hier zum Himmel. Auf die Idee, dass die Frau oder eine weitere Person die beiden Männer ermordet hat, scheinen die Ermittler wohl nicht kommen zu dürfen...
Franziska_F 22.11.2011
4. Gar nicht lustig
Zitat von PeteLustig19 Waffen, 2 davon den Opfern aus dem Heilbronner Attentat entwendet, also 17 Waffen aus vermutlich illegaler Quelle, können nicht "im Untergrund lebend" organisiert worden sein. Die Unterstützer der Gruppe, welche diese illegalen Waffen beschafften, sollten dringend ermittelt werden - steht zu befürchten, dass auch andere Kriminellen auf diesem Wege "versorgt" werden.
Ist das so? Verraten Sie auch, woher Sie dieses offensichtlich professionelle Know-How haben, was man wie lebend wo organisieren kann, und was nicht? Erstaunliche Einsichten, fürwahr. Als guter Bürger sollten Sie nun dringend Kontakt mit den zuständigen Behörden aufnehmen, denn die Vermutung liegt nahe, die Ermittler haben nicht die geringste Ahnung, was wie zu ermitteln ist.
Nr82136 22.11.2011
5. ...
Zitat von atzlanWas ist denn jetzt daraus geworden: "...Zeugen wollen gesehen haben, wie Beate Z. gegen 12 Uhr den Wagen verließ, der kurz darauf in Flammen aufging. Im Fahrzeug fanden Ermittler die Leichen von Uwe B. und Uwe M., Geldscheine aus dem Überfall - und zwei Pistolen des Typs Heckler & Koch P2000. ...Die Männer starben an einem Brust- und einem Kopfschuss." http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,796675,00.html Plötzlich soll also noch eine Maschinenpistole aufgetaucht sein (nach dem bereits nachträglichen Auftauchen von "Langwaffen"), die zwar defekt ist, aus der aber angeblich auf die Polizisten geschossen wurde. "Die Anwohner hätten zwar das brennende Wohnmobil gesehen, konnten sich jedoch an keine Schüsse erinnern, schreibt stern.de." http://www.welt.de/politik/deutschland/article13727823/Zweifel-an-Selbstmord-von-Boehnhardt-und-Mundlos.html Und die Polizisten sind genau in dem kurzen Zeitfenster vom Verschwinden von Beate Z. vom Wohnwagen bis zu seiner Entflammung aufgetaucht und haben natürlich nichts von der Frau bemerkt... Da Mundlos Böhnhardt in die Schläfe schoss, muss er sich angeblich mit einem Schuss in die Brust selbst getötet haben - der Mann muss Masochist sein, oder warum wählt er für sich nicht dieselbe, quallosere Variante wie bei seinem Partner? Die Story stinkt nicht nur hier zum Himmel. Auf die Idee, dass die Frau oder eine weitere Person die beiden Männer ermordet hat, scheinen die Ermittler wohl nicht kommen zu dürfen...
Lassen Sie die Verschwörungstheorien stecken. Eine Maschinenpistole ist eine Langwaffe. In Böhnhardts Lunge wurden keine Rauchpartikel gefunden. Er war also schon tot, als das Feuer gelegt wurde. Eine dritte Person wurde nicht am Wohnmobil gesehen. Die hätte als erstes ja den beiden Polizisten auffallen müssen, die das Wohnmobil entdeckten, im Auge behielten und sich ihm näherten. Zschäpe war bestimmt nicht in Eisenach. Ein Anruf von einem Mobiltelefon aus dem Wohnmobil zu ihr in Zwickau wurde festgestellt.
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