Zwölf Jahre nach der Tat Gericht spricht Harry Wörz frei

Er soll 1997 seine Ex-Frau fast zu Tode stranguliert haben, zweimal stand er schon vor Gericht - jetzt ist der Pforzheimer Harry Wörz in einem dritten Prozess freigesprochen worden. Der 43-Jährige brach in Tränen aus. Die Kammer hält inzwischen einen Polizisten für den Hauptverdächtigen.

ddp

Mannheim - Das Landgericht Mannheim mühte sich um Aufklärung in dem zwölf Jahre alten Fall - und im Verlauf des Verfahrens lösten sich immer mehr Indizien gegen Harry Wörz in Luft auf. Im dritten Prozess hat die Kammer den 43-Jährigen nun freigesprochen. Nach der Urteilsverkündung brach Wörz in Tränen aus. Der Vertreter der Nebenklage kündigte Revision an.

Der angeklagte Bauzeichner Harry Wörz aus Birkenfeld bei Pforzheim stand im Verdacht, am 29. April 1997 versucht zu haben, seine getrennt von ihm lebende 26-jährige Ehefrau mit einem Schal zu erdrosseln. Das Motiv sollte laut Anklage im Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn liegen. Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, dass der 43-Jährige wegen versuchten Totschlags zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt wird. Die Verteidigung hatte erneut Freispruch beantragt.

Harry Wörz beteuerte all die Jahre seine Unschuld.

Im ersten Prozess war Wörz 1998 zu elf Jahren Haft wegen versuchten Totschlags verurteilt worden. Er saß vier Jahre und sieben Monate im Gefängnis. Dann wies eine Zivilkammer in Karlsruhe die Klage seines Schwiegervaters auf Schmerzensgeld mit der Begründung ab, dass die Täterschaft von Wörz wegen fragwürdiger Ermittlungen nicht erwiesen sei. Das Oberlandesgericht Karlsruhe ordnete ein Wiederaufnahmeverfahren an, weil ein neuer Zeuge aufgetaucht war. 2005 sprach das Landgericht Mannheim Wörz aus Mangel an Beweisen frei. Der Bundesgerichtshof hob diesen Freispruch jedoch auf.

Das Landgericht Mannheim hält inzwischen den damaligen Geliebten des Opfers für den Hauptverdächtigen. "Die Kammer hält es für wahrscheinlich, dass Thomas H. der Täter war", sagte der Vorsitzende Richter Rolf Glenz am Donnerstag.

Der Pforzheimer Polizeibeamte habe sich in einem "klassischen Konflikt" zwischen der Geliebten - einer Polizeikollegin - und seiner Ehefrau befunden. Angesichts früherer Gewalttätigkeiten sei es nicht unwahrscheinlich, dass es in der Tatnacht zu einer Eskalation gekommen sei. "Er hat für die Tatzeit kein Alibi", so Glenz.

jjc/AP/dpa



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Seite 1
frubi 22.10.2009
1.
Zitat von sysopEr soll 1997 seine Ex-Frau fast zu Tode stranguliert haben, zweimal stand er schon vor Gericht - jetzt hat das Landgericht Mannheim Harry Wörz in einem dritten Prozess freigesprochen. Der 43-Jährige brach in Tränen aus. Die Nebenklage will in Revision gehen. Ein gerechter Freispruch?
Seit ich das erste mal von diesem Fall gelesen habe bin ich mir unschlüssig. Eines ist jedoch sehr fragwürdig: Wieso waren die Anwesenden Beamten so schlampig in der Sicherung des Tatorts und das obwohl eine Kollegin gestorben ist?
qwer 22.10.2009
2. ??
Kann man das auch nur annähernd beurteilen, wenn man die Prozessakten nicht gelesen hat?
proanima 22.10.2009
3.
Auf jeden Fall gerechtfertigt !!! Indizienprozesse in Deutschland sind das übelste was es gibt (am schlimmsten in Bayern), man ist auf einen logisch denkenden Richter und Geschworene angewiesen und nicht zuletzt auf einen guten Anwalt der nicht nur an ein sein (Pflicht-)Honorar denkt. Das erstinstanzliche Gericht sollte sofort aus der Justiz entfernt werden. Was man auch nicht ganz verstehen kann, ist die schriftliche Begründung/Stellungnahme des BGH zur Wiederaufnahme - ein Witz. Am besten wäre bevor ein Urteil mit dieser Härte rechtsgültig wird, dass eine externe neutrale Prüfungskommission solche Urteile vor dem Wiederaufnahmeantrag an das BGH überprüft.
Nassforscher 22.10.2009
4. Von jeder Kenntnis befreit
Sekunde... Hoppla, am Eingang zu diesem Forum hing überhaupt kein Schild mit dem Hinweis auf einen heute stattfindenden Stammtisch. Was aber darf man nun erwarten, wenn die Leserschaft zu einer Stellungnahme bezüglich des bislang nicht rechtskräftigen Freispruchs gebeten wird? Nur ein verschwindend geringer Teil derjenigen, die sich hier zu Wort melden, wird die umfangreichen Verfahrensakten studiert, an jedem Hauptverhandlungstermin teilgenommen und hinreichende Kenntnisse vom deutschen Straf(verfahrens)recht haben. Die Urteilsgründe sind gleichsam bislang nicht schriftlich niedergelegt. Auf welcher Grundlage soll vor diesem Hintergrund also eine Urteilskritik erfolgen? Ja, ich weiß schon: Feuer frei für hohle Parolen und wagemutige Kaffeesatzleserei...
Lebkuchen, 22.10.2009
5. Unverständlich
Zitat von sysopEr soll 1997 seine Ex-Frau fast zu Tode stranguliert haben, zweimal stand er schon vor Gericht - jetzt hat das Landgericht Mannheim Harry Wörz in einem dritten Prozess freigesprochen. Der 43-Jährige brach in Tränen aus. Die Nebenklage will in Revision gehen. Ein gerechter Freispruch?
Seltsam, zu welchen Themen man sich doch zuweilen bei SPON äußern soll. Wir kennen doch die ganzen Hintergründe überhaupt nicht, wie sollen wir da zu einer halbwegs vernünftigen Einschätzung kommen?
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