Zypern Entführer kaperte Flugzeug mithilfe einer Bombenattrappe

Stundenlang hielt ein Flugzeugentführer Zypern in Atem, dann kamen alle Geiseln unverletzt frei. Der Täter war wohl psychisch labil.


Dutzende Menschen hatte ein Flugzeugentführer auf Zypern in seiner Gewalt und drohte, sich in die Luft zu sprengen, bis die Behörden Entwarnung gaben: Alle Geiseln verließen bis zum Mittag unbeschadet das Flugzeug, der Täter ließ sich widerstandslos festnehmen. Akute Gefahr bestand offenbar nicht. Der Entführer habe eine Bombenattrappe getragen, sagte Zyperns Außenministers Ioannis Kassoulides.

Der Mann habe mehrere Handy-Hüllen miteinander verbunden, sie mitsamt Kabeln in eine Art Gürtel gesteckt und dies als Sprengstoffgürtel ausgegeben, sagte Kassoulides im Flughafen von Larnaka: "Wir hatten diesen Verdacht, aber wollten auf Nummer sicher gehen."

Auch die Polizei teilte mit, weder bei dem Mann noch im Flugzeug Sprengstoff gefunden zu haben. Er wurde demnach von Ermittlern am Airport untersucht und mehr als eine Stunde lang verhört, bevor Beamte mit Spürhunden in das Flugzeug der Gesellschaft Egyptair vordrangen und dort nach Sprengstoff suchten.

Der Airbus mit der Flugnummer MS181 war am Morgen auf einem ägyptischen Inlandsflug von Alexandria nach Kairo entführt worden. Der Täter zwang die Piloten zur Landung in Larnaka, die Stadt liegt im Südteil des EU-Mitgliedstaats. Noch auf dem Rollfeld begann er mit der Freilassung erster Geiseln.

Der Täter war am Mittag nach der stundenlangen Geiselnahme aus der Maschine gekommen und hatte sich festnehmen lassen. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, ging er mit erhobenen Händen über die Landebahn in Richtung zweier Anti-Terror-Polizisten.

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Flugzeugentführung: Nervenkrieg auf Zypern
Zuvor hatten die letzten sieben Geiseln den Airbus der EgyptAir auf dem Flughafen von Larnaka verlassen, ein Mann war dabei durch ein Cockpitfenster ins Freie geklettert.

Zu seinen Motiven machte er offenbar widersprüchliche Angaben:

  • Das zyprische Staatsfernsehen RIK berichtete unter Berufung auf die Polizei, dass er unter anderem die Freilassung einiger oppositioneller Frauen in Ägypten verlangt habe.
  • RIK zufolge wollte der Mann zudem in Europa Asyl erhalten. Dies stünde in einem Brief, den er aus dem Fenster der Maschine warf und den die Polizei übersetzen ließ.
  • "In den ersten drei Stunden der Verhandlungen erklärte der Entführer, er wolle einen Umschlag mit einem Brief an seine Ex-Frau übergeben", sagte der zyprische Regierungssprecher Nikos Christodoulides. Die Sicherheitsbehörden suchten daher die Zypriotin, um sie zum Flughafen von Larnaka zu bringen.
  • Der ägyptische Ministerpräsident Scherif Ismail sagte, der Entführer habe mit einem Vertreter der Europäischen Union sprechen wollen.
  • Nach Angaben von Zyperns Außenminister Kassoulides forderte der Entführer die Betankung des Flugzeugs und einen Weiterflug nach Istanbul. "Wir haben dies ausgeschlossen. Dann hat er sich ergeben", sagte der Minister.

Nicht nur diese widersprüchlichen Forderungen deuten darauf, dass der Entführer möglicherweise verwirrt war und eher persönliche Beweggründe hatte. Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades schloss einen terroristischen Hintergrund aus. Der Mann wirke "psychisch labil" und handle dementsprechend, teilte das Außenministerium des Landes mit.

Über die Identität des Flugzeugentführers, der ägyptischer Staatsbürger sein soll, kursierten zwischenzeitlich unterschiedliche Angaben. Das zyprische Außenministerium hat ihn als Seif M. identifiziert, das ägyptische Staatsfernsehen hatte zuvor jedoch einen anderen Namen genannt.

Nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministeriums befanden sich 55 Passagiere an Bord des Airbus 320. Früheren Angaben zufolge sollen insgesamt 81 Menschen in dem Flieger gewesen sein, darunter 15 Besatzungsmitglieder und 21 Ausländer. Die Fluggesellschaft selbst sprach von 72 Menschen an Bord.

Der ägyptische Minister für zivile Luftfahrt dankte der Besatzung. Die Crew habe mit großer Professionalität gehandelt, sagte Scherif Fathi. Der Flugverkehr in Ägypten gehe mit einigen Ausnahmen normal weiter.

Die Sicherheitsdienste an ägyptischen Flughäfen waren im vergangenen Oktober in die Kritik geraten, nachdem in einem vom Badeort Scharm el Scheich gestarteten russischen Urlaubsflieger eine Bombe detoniert war und alle 224 Insassen in den Tod gerissen hatte. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich später zu der Tat.

mxw/dpa/AFP



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