Kältewelle im Mittleren Westen der USA Experten warnen vor Erfrierungen binnen Minuten

Eine extreme Kältewelle hat den Mittleren Westen der USA im Griff. Metropolen wie Chicago und Indianapolis kämpfen mit Temperaturen um minus 26 Grad, hinzu kommt der beißende Wind. Unter solchen Bedingungen kann es laut Meteorologen binnen Minuten zu Erfrierungen kommen.

National Weather Service

Chicago/Hamburg - Heftige Schneefälle, klirrende Kälte und eisiger Wind haben das öffentliche Leben im Mittleren Westen der USA teilweise lahmgelegt. In der Region herrschen Temperaturen von bis zu minus 30 Grad, die gefühlte Kälte kann laut Meteorologen auf bis zu minus 50 Grad sinken. Der National Weather Service sprach von den tiefsten Werten seit fast zwei Jahrzehnten. "Zusammen mit dem Wind führt diese Kälte zu lebensbedrohlichen Bedingungen", hieß es.

So erwartet Fargo in North Dakota minus 31 Grad, in Indianapolis und Chicago soll es nur 5 Grad wärmer werden. Im Bundesstaat Montana rechnen Meteorologen mit gefühlten Kältewerten von minus 51 Grad Celsius. Bei ungeschützter Haut könne es unter solchen Bedingungen binnen weniger Minuten zu Erfrierungen kommen, warnen Experten.

Als Reaktion auf das extreme Wetter griffen einige Kommunen bereits zu weit reichenden Maßnahmen. So gilt in der 800.000-Einwohner-Stadt Indianapolis jetzt ein Fahrverbot: Mit Ausnahme der Rettungsdienste und abgesehen von Notfällen darf in der Hauptstadt des Bundesstaats Indiana niemand mehr Auto fahren. "Durch die heftigen Schneefälle und die rapide sinkenden Temperaturen ist die Sicherheit des Verkehrs in Marion County nicht mehr gewährleistet", sagte Bürgermeister Greg Ballard laut "Fox 59 News". Es ist die erste Maßnahme dieser Art seit 35 Jahren.

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Extremer US-Winter: Kältewelle frostet Mittleren Westen
Auch an den Flughäfen des Landes sorgte das Wetter für Beeinträchtigungen. So mussten allein auf dem internationalen Flughafen von Chicago am Sonntag mehr als 2000 Flüge gestrichen werden. Auf dem Kennedy-Airport in New York schlitterte ein Flugzeug am Sonntag in einen Schneehaufen. Die 35 Passagiere an Bord blieben unverletzt. Die Maschine aus Toronto hatte zuvor laut "New York Times" zwar sicher auf der Landebahn aufgesetzt, war dann aber auf dem Weg zum Terminal in den Schnee gerutscht. Stundenlange Verzögerungen waren die Folge.

Angesichts weiter fallender Temperaturen sollen in Chicago am Montag die Schulen geschlossen bleiben. "Das ist eine extrem seltene Maßnahme, normalerweise weiß Chicago mit Schnee und Kälte umzugehen", berichtete ein CNN-Reporter. Auch im gesamten Bundesstaat Minnesota dürfen die Schüler zum Wochenanfang zu Hause bleiben. "Ich habe diese Entscheidung getroffen, um unsere Kinder vor den gefährlich niedrigen Temperaturen zu schützen", sagte Gouverneur Mark Dayton. Auch in St. Louis im Staat Missouri und in Detroit (Michigan) fällt die Schule aus.

Selbst in den südlichen Regionen der USA ist die Kältewelle deutlich spürbar. Für Georgia und Alabama werden Höchstwerte von minus 13 Grad Celsius erwartet, im sonst subtropisch-heißen Florida ist von Temperaturen um den Gefrierpunkt die Rede.

Und die Temperaturen sinken wohl weiter. Meteorologen erwarten für den Mittleren Westen in den kommenden Tagen eine der schwersten Kältewellen seit Jahren. Insgesamt könnten dann rund 140 Millionen Amerikaner betroffen sein - von North und South Dakota bis in die Neuengland-Staaten an der Ostküste.

rls/dpa/AP/Reuters

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