Kambodscha Mehr als 340 Menschen sterben bei Massenpanik

Trauer in Phnom Penh: Bei einer Massenpanik während eines Volksfests in der kambodschanischen Hauptstadt gab es Hunderte Tote und Verletzte. Die Regierung spricht von der größten Katastrophe seit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer.


Phnom Penh - Bei einer Massenpanik während des traditionellen Wasserfestes in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh sind am Montagabend nach Regierungsangaben 347 Menschen ums Leben gekommen. 410 Personen wurden verletzt.

Er spreche den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus, sagte Ministerpräsident Hun Sen im Fernsehsender Bayon TV. Es handle sich um die "größte Katastrophe" in Kambodscha seit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Das ultrakommunistische Regime, das Kambodscha zwischen 1975 und 1979 beherrschte, wird für den Tod von zwei Millionen Menschen verantwortlich gemacht.

Der Unglückstag solle künftig ein Gedenktag werden, sagte Hun Sen. Am kommenden Donnerstag soll in ganz Kambodscha der Opfer gedacht werden.

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Massenpanik: Tote und Verletzte in Phnom Penh
Zu der Panik kam es laut Augenzeugen und Krankenhausmitarbeitern auf einer Brücke, die die am Mekong-Fluss gelegene Hauptstadt des südostasiatischen Landes mit einer kleinen Insel ("Diamant-Insel") verbindet. Dort sollten Feierlichkeiten anlässlich des bevorstehenden Endes des dreitägigen Wasserfestes stattfinden.

Viele Menschen seien aus Angst, erdrückt zu werden, ins Wasser gesprungen, hieß es. Wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete, waren die Opfer zumeist junge Leute. Die Besucher hatten offenbar in Panik angefangen zu schieben. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AP, das Unglück habe seinen Lauf genommen, als etwa zehn Menschen in der Menge ohnmächtig wurden. Nach Angaben von Informationsminister Khieu Kanharith sind die meisten Opfer erstickt. Zweithäufigste Todesursache seien innere Blutungen gewesen, die durch Verletzungen im Gedränge entstanden sein.

Angehörige versammeln sich vor Krankenhaus

Vor dem Calmette-Krankenhaus, in das zahlreiche Leichen gebracht wurden, versammelten sich Dutzende Menschen auf der Suche nach Angehörigen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Viele der Anwesenden weinten. Der Gouverneur des Bezirks Daun Penh, Sok Sembath, sprach von einer Tragödie nie dagewesenen Ausmaßes während eines Wasserfestes.

Ministerpräsident Hun Sen erklärte, die Regierung werde einen Untersuchungsausschuss einsetzen, um die Ursachen der Katastrophe zu klären. Die Regierung kündigte außerdem Entschädigungszahlungen an: Angehörige von Todesopfern sollen umgerechnet 1250 Dollar erhalten, Verletzte 250 Dollar. Auch würden die Behörden für den Rücktransport der Toten in ihre Heimatorte sorgen. Viele Kambodschaner lehnten es aus traditionellen Gründen ab, Leichen zu transportieren, sagte Khieu Kanharith. Deshalb würden Militärlaster eingesetzt.

Das Wasserfest ist eines der größten Festivals des Landes. Dabei wird dem Fluss Mekong gedankt, der Kambodscha mit fruchtbaren Böden und Fisch versorgt. Im Zuge der Feierlichkeiten waren in den vergangenen Tagen geschätzte zwei Millionen Menschen zu Konzerten, Feuerwerken und Bootsrennen in die Stadt geströmt.

ala/dpa/AFP/AP/Reuters

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