Kambodscha Zweifel an der Identität der "Dschungelfrau"

Die "Dschungelfrau", die nach 19 Jahren im Wald von Kambodscha entdeckt wurde, sorgt für Rätselraten: Eine Familie glaubt, dass es sich um ihre verschollene Tochter Rochom P'ngieng handelt. Doch die Behörden zweifeln an der Identität der Frau.


Hamburg – Sal Lou ist sich sicher: Bei dem Mädchen, das Holzfäller völlig verdreckt und nackt am 10. Januar in einem abgelegenen Waldgebiet in Kambodscha fanden, handelt es sich um seine vermisste Tochter Rochom P'ngieng: "Ich würde 10.000 Dollar gegen jeden wetten, der glaubt, dass das nicht meine Tochter ist", sagte der 45-jährige Polizist in seinem Dorf Oyadao, rund 600 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Phnom Penh. Das Mädchen, das 1989 im Alter von acht Jahren spurlos verschwunden war, hatte sich Augenzeugen zufolge bei ihrem Auffinden wie ein Affe bewegt und auf dem Boden nach Essbarem gesucht.

Die "Dschungelfrau": Ein DNA-Test soll nun klären, ob sie die seit 19 Jahren vermisste Rochom P'ngieng ist
AP

Die "Dschungelfrau": Ein DNA-Test soll nun klären, ob sie die seit 19 Jahren vermisste Rochom P'ngieng ist

Doch Behörden, Dorfbewohner und Ärzte bezweifeln nun, dass sie tatsächlich die vermisste Tochter des Polizisten ist. Wie die britische Zeitung "Telegraph" schreibt, seien Hände und Fußsohlen zu weich für ein jahrelanges Leben im Dschungel gewesen. Auch die Gesichtszüge sorgen für Rätselraten, da sie eher denen einer Teenagerin ähneln würden als denen einer 27 Jahre alten Frau. "Ich finde, dass sie nicht wie ein Mädchen ist, das so viele Jahre im Dschungel gelebt hat", so der ortsansässige Arzt Kim Savun zum "Telegraph". "Ich kann mir das nicht vorstellen. Warum sind ihre Haare kurz? Sie sollten lang sein. Und ihre Arme und Beine sind ganz normal."

Der selbsternannte Vater des Mädchens meint, seine Tochter an einer Narbe am rechten Arm identifizieren zu können, die von einem Unfall mit einem Messer in ihrer Kindheit zurück geblieben sei. Auch die Mutter, Rocham Soy, sieht in dem Mädchen das älteste ihrer sieben Kinder. Die 44-Jährige sagte dem "Telegraph": "Als ich ihr Gesicht sah, habe ich sie sofort erkannt. Ich bin ihre Mutter und ich fühle, dass sie meine Tochter ist."

Die Behörden wollen nun einen DNA-Test durchführen, um die Identität der Frau endgültig der festzustellen. Möglicherweise wurde die 27-Jährige gefangen gehalten, denn Narben an den Handgelenken der Frau lassen zudem vermuten, dass sie über lange Zeit gefesselt wurde.

Derzeit lebt die "Dschungelfrau" bei der Familie, die sie für ihre älteste Tochter hält. Sie könne zwar nicht sprechen, aber Aufforderungen verstehen: "Wenn wir mit ihr sprechen, versteht sie es, aber sie kann uns nicht antworten", sagte Sal Lou. Früher oder später werde sie aber sicher zu sprechen beginnen. Rochom P'ngieng hatte nach Angaben der Familie zunächst mehrfach versucht, zurück in den Dschungel zu fliehen.

sne/AFP



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