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Kampf dem Poltergeist: Britische Gemeinde zahlt für Geisterjäger

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Fliegende Morgenmäntel, lautes Poltern auf dem Dachboden, übler Gestank in den Zimmern: Im Haus der Familie Fallon sollen dunkle Mächte ihr Unwesen getrieben haben. Bis Mutter Sabrina einen Exorzisten bestellte - und die Stadtverwaltung davon überzeugte, die Rechnung zu bezahlen.

Hamburg/London - Beim Einzug in das zweistöckige Reihenhaus in der Basingstoke Road herrschte noch Hochstimmung in der Familie Fallon. Sabrina Fallon, ihr Mann Martin und die beiden Töchter Shannon und Amie aus dem kleinen englischen Örtchen Peterlee freuten sich über ihr neues Heim. Das war im Juni vergangenen Jahres. Dann kam der Poltergeist.

Sabrina Fallon in ihrem Haus in Peterlee: Mit guten Geistern und der Gemeindeverwaltung gegen den Spuk
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Sabrina Fallon in ihrem Haus in Peterlee: Mit guten Geistern und der Gemeindeverwaltung gegen den Spuk

Der Spuk, so erzählen es die Fallons, begann direkt nach dem Einzug: Immer wieder hörten sie laute Geräusche auf dem Dachboden. In einigen Zimmern war es eiskalt - auch wenn die Heizung lief. Oder schummrig und dunkel, obwohl das Licht brannte. Außerdem, so sagt Sabrina Fallon, habe es abscheulich gerochen. Man habe gelebt wie in einer Leichenhalle. "Er war sehr sehr beängstigend, wir hatten Panik", sagte die 23-Jährige SPIEGEL ONLINE.

Auf den Spuren eines Mörders

Die Polizei, die Familie Fallon rief, konnte nicht helfen. Die Beamten durchsuchten den Dachboden - und fanden nichts. Martin Fallon gab schließlich seinen Job als Lastwagenfahrer auf, um die Familie vor dem Poltergeist zu beschützen. Alle vier schliefen nachts in einem Zimmer und trauten sich kaum, zur Toilette zu gehen - aus lauter Furcht vor dem Gespenst, das Türen öffnete und angeblich versuchte, Töchterchen Amie den Armen ihrer Mutter zu entreißen.

Anfang Dezember wandte sich die zweifache Mutter an Exorzistin Suzanne Hadwin, die sie zuvor - wie weitere 20 Millionen Briten - bei einer Fernsehsendung auf dem "Discovery Channel" gesehen hatte. Hadwin schickte Romanoff und ihre anderen "Engel", wie sie sie nennt, in das Haus, um die Situation auszukundschaften: "Da war ein gefährlicher Poltergeist am Werk. Er wollte Besitz von den Töchtern ergreifen, um durch sie zu neuem Leben erweckt zu werden", ist Hadwin überzeugt.

Am Ende sei es Romanoff gewesen, der den Spuk beendete. Der gute Geist russischer Abstammung besuchte das Haus der Fallons, noch bevor sich Medium Hadwin auf den Weg machte. Romanoff vertrieb die schlechte Energie. "Er ist einer meiner treuesten Engel. Für so einen Auftrag würde ich immer ihn nehmen", sagte Hadwin SPIEGEL ONLINE.

Die Geisterheilerin, wie Hadwin sich selbst bezeichnet, will durch ihre Engel erfahren haben, dass die übersinnliche Macht, die in dem Haus wütete, auf den Namen "Peter" hörte. Peter war demnach der Geist eines Mannes, der in dem Haus der Fallons vor mehr als 50 Jahren seine Frau ermordete.

Im Treppenhaus habe der Mann seine Frau mit einem Schürhaken erschlagen - und sich anschließend erhängt. Mitarbeiter der Gemeinde und Bewohner des Ortes haben bestätigt, dass es vor Jahrzehnten ein solches Verbrechen in dem Haus gegeben hat.

Mit Salz und Engeln zum Erfolg

Nachdem sie wusste, mit welcher Art Poltergeist sie es zu tun hatte, rückte Hadwin aus. Sie brauchte "fünf oder sechs Anläufe, um Peter die Energie zu nehmen". Sie streute einen Kreis aus Salz, setzte die Töchter der Fallons in dessen Mitte auf einen Stuhl und rief ihre Engel zu Hilfe. "Man muss die eigene Angst kontrollieren und die Geister direkt anpacken."

Zuschauer des Spektakels waren Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. An sie hatte sich Sabrina Fallon gewandt, nachdem sie Exorzistin Hadwin über die Vorgänge im Haus informiert hatte. Ihre Bitte: Die Gemeinde von Easington möge als Eigentümerin des Drei-Zimmer-Hauses einen Teil der Kosten für die Geisteraustreibung bezahlen. Die Familie sei nicht in der Lage, die Rechnung von 120 Pfund, umgerechnet rund 160 Euro, zu bezahlen, und könne andernfalls nicht länger in dem Haus wohnen bleiben.

Effizienter Hokuspokus

"Es war das erste Mal, dass wir zu einer solchen Maßnahme gegriffen haben, aber die Familie war in großer Not", sagt Julie Barnfather, Sprecherin der Gemeindeverwaltung, SPIEGEL ONLINE. "Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, zu verhindern, dass Menschen aus der Gemeinde auf der Straße sitzen." Der Rest war eine einfache Kalkulation: Eine Unterbringung in der Notunterkunft kostet pro Nacht 40 Pfund. Fallon verlangte eine Übernahme der Hälfte der Kosten in Höhe von 60 Pfund.

"Wichtig ist: Die Familie hat geglaubt, dass es in ihrem Haus spukt. Es ging nicht darum, ob wir es glauben, sondern darum, zu verhindern, dass die Familie obdachlos wird", so Barnfather. So waren zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung anwesend, als Hadwin das Haus von den bösen Geistern befreite - "um sicherzustellen, dass für das Geld auch das gemacht wird, was abgesprochen war".

Immerhin haben die Steuerzahler von Easingston die Vertreibung des Poltergeistes bezahlt - zur Verärgerung des Verbandes britischer Steuerzahler. "Die Leute zahlen doch keine Steuern, um so einen Hokuspokus zu finanzieren", sagt Sprecher Mark Wallace. "Wer weiß, was sich die Verwaltung als nächstes einfallen lässt."

Debatte hin oder her: Die Fallons haben keine Angst mehr. "Am 27. Dezember hat sich der Hausgeist endgültig verzogen", sagt Hadwin. Sabrina Fallon ist erleichtert: "Er ist nicht wiedergekommen. Uns geht es jetzt sehr gut."

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