Kanada Holocaust-Leugner Zündel abgeschoben

Der Neonazi Ernst Zündel ist von Kanada nach Deutschland abgeschoben worden. Gegen den 65-Jährigen liegt ein Haftbefehl wegen Volksverhetzung vor. Er landete am Abend auf dem Frankfurter Flughafen und wurde dort festgenommen.


Ernst Zündel (Archivbild von 2003): Seit zwei Jahren in Kanada inhaftiert
AP

Ernst Zündel (Archivbild von 2003): Seit zwei Jahren in Kanada inhaftiert

Frankfurt/Toronto - Die Sondermaschine mit Zündel an Bord landete kurz nach 22 Uhr in Frankfurt am Main, teilte eine Sprecherin der kanadischen grenzbehörden mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mannheim liegt seit 2003 ein Haftbefehl des Amtsgerichts Mannheim wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Zündel vor.

Grundlage für den Haftbefehl ist Zündels Website, wo unter anderem der Massenmord an den Juden durch das NS-Regime in Deutschland geleugnet wird.

Der heute 65-jährige Zündel lebt seit 1958 in Kanada und ist vor allem als Verleger rechtsextremistischer Schriften bekannt geworden. Unter anderem verschickt er den unregelmäßig erscheinenden "Germania-Rundbrief", der antisemitische Thesen enthält. Er hatte sich mehrfach vergeblich um die Einbürgerung in Kanada bemüht. 2003 hatte er versucht, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten, war aber von den US-Behörden nach Kanada abgeschoben worden.

Seitdem war er auf Grundlage eines neuen kanadischen Anti-Terror-Gesetzes in Toronto inhaftiert gewesen. Die Behörden prüften, ob er ein Sicherheitsrisiko für die kanadische Gesellschaft darstelle. Vergangene Woche hatte ein Bundesgericht in Ottawa Zündels Auslieferung angeordnet. Sein Anwalt Peter Lindsay hatte daraufhin mitgeteilt, dass sein Mandant keine Rechtsmittel einlegen werde und voraussichtlich nach Deutschland gebracht werde.



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