Kanada Pflegeeltern verneinen Existenz des Osterhasen - Sorgerecht entzogen 

Sie weigerten sich, ihren Pflegekindern zu erzählen, dass es den Osterhasen wirklich gibt. Deshalb wurden einem Ehepaar aus Kanada zwei kleine Mädchen wieder weggenommen. Zu Unrecht, wie ein Gericht nun entschied.

Ein Osterhase (Symbolbild)
imago/ allOver-MEV

Ein Osterhase (Symbolbild)


Frances und Derek Baars sind überzeugte Christen, an den Osterhasen glauben sie nicht. Deshalb weigerte sich das Ehepaar aus Kanada, seinen Pflegekindern vorzugaukeln, dass dieser existierte. Die Children's Aid Society of Hamilton (CAS), die ihnen die Kinder vermittelt hatte, nahm den Baars die beiden Mädchen daraufhin wieder weg. Das war falsch, entschied jetzt ein kanadisches Gericht.

Einem Bericht des Nachrichtensenders CBC zufolge wurde dem Ehepaar das Sorgerecht für die drei- und fünfjährigen Mädchen bereits im Jahr 2016 entzogen. Die CAS untersagte ihnen zudem, weitere Kinder zu betreuen. Im April 2017 reichten die Baars deshalb Klage ein.

Schokoladeneier ja, Osterhase nein

Sie könnten es nicht mit ihrem Glauben vereinbaren, Kindern unter ihrer Aufsicht zu erzählen, der Osterhase sei real und brächte Schokoladeneier zu ihnen nach Hause, argumentierten die Baars vor Gericht. Der Richter stimmte ihnen zu.

Eine Mitarbeiterin der CAS hätte die Familie vor dem Zwischenfall besucht und bestätigt, dass die Mädchen in jeglicher Hinsicht gut untergebracht seien. Dies entbinde die Baars laut der Agentur jedoch nicht von ihrer Aufgabe, den Kindern abseits dessen eine unbeschwerte Kindheit zu bereiten und ihnen damit auch vom Osterhasen zu erzählen.

Das Ehepaar indes wollte die Schokoladeneier allenfalls verstecken und sie von den beiden Mädchen suchen lassen. Über den Osterhasen aber hätten sie nicht sprechen wollen, sagten die Baars vor Gericht aus.

"Wir sind sehr dankbar"

Die Pflegeeltern wollten den Mädchen die Freude an den Feiertagen nicht nehmen, sagte der Richter. Und das, obwohl sie die Existenz fiktiver Charaktere wie dem Osterhasen für die Mädchen nicht aufrechterhalten hätten.

Das Ehepaar ist sich sicher: Gott habe die Entscheidung des Gerichts zu ihren Gunsten beeinflusst. "Wir sind sehr dankbar", sagten sie laut CBC. Die Baars dürfen nun wieder Kinder bei sich aufnehmen und wollen sogar eines adoptieren. Der Richter verfügte, dass die CAS jede andere Adoptionsagentur über die Eignung des Ehepaares in Kenntnis setzen soll, Kinder versorgen zu können.

Die CAS, eine Nichtregierungsorganisation, reagierte bislang nicht auf die Forderung des Richters. Als die Entscheidung des Gerichts öffentlich wurde, ließ sie verlautbaren, niemandem leichtfertig das Sorgerecht zu entziehen. Von Mitarbeitern und Familien erwarte sie aber, den persönlichen Glauben und Werte hintanzustellen, wenn sie sich um Kinder kümmerten, die aus anderen sozialen Schichten stammen als sie selbst.

vik

Mehr zum Thema


insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-10000154386 09.03.2018
1.
Dieser Gott ist doch genauso ein fiktiver Charakter wie der Osterhase. Ob die den Kindern nun das eine oder das andere Märchen erzählen bleibt sich doch egal.
quark2@mailinator.com 09.03.2018
2.
Hmmm, als Atheist hätte ich da ja nen Kommentar, den ich lieber lasse, aber das eine Organisation, die vorgibt im Interesse der Kinder zu handeln, diesen die Pflegeeltern wegnimmt, nur weil diese den Osterhasen nicht bestätigen wollen, das finde ich schon grausam. Damit wurde den Kindern mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Gewalt angetan, als andersrum. Allerdings schildert der Artikel nicht, wie es überhaupt zu dieser Krise kam. Was war der Anlaß die Frage überhaupt aufzuwerfen ?
bissig 09.03.2018
3. Ist schon lustig
Den Kindern nicht vorlügen, dass es den Osterhasen gibt, und dabei selbst an ein höheres Wesen glauben, dessen Existenz bis heute nicht bewiesen wurde.
bartnelke 09.03.2018
4. haben Pflegeeltern keinen Erziehungsauftrag?
Erziehung ist doch die Vermittlung eigener Werte. Dieser Organisation ist die Vermittlungslizenz für Kinder zu entziehen.
darthmax 09.03.2018
5. Osterhasen
Weihnachtsmänner , Religionsgründer, Schamanen, fliegende Spaghettimonster, wer kann sich da noch auskennen. Fundamentalisten gibt es eben auch und wir müssen diese akzeptieren aber nicht mögen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.