Frachter seit Wochen in Flammen Brennendes Schiff bedroht Kanaren

Die Crew hat das Schiff aufgegeben, seit zwei Wochen driftet es vor den Kanaren: Auf dem britischen Frachter "Cheshire" ist ein Brand außer Kontrolle. Er hat brisante Ladung geladen - und droht zu explodieren.


Vor den Kanarischen Inseln brennt ein Frachter mit hoch explosivem Ammoniumnitrat. Das britische Schiff "Cheshire" entzündete sich am 12. August und treibe seither südwestlich der zu Spanien gehörenden Inselgruppe im Meer umher, berichtete unter anderem die Zeitung "La Vanguardia". Experten warnten vor möglichen großen Umweltschäden sowie einer Gefahr für die Bevölkerung der Kanaren.

Der Frachter sei "eine gigantische schwimmende Zeitbombe", sagte laut dem Bericht Tanausú Alemán von der spanischen Linkspartei Podemos. "Es ist in den vergangenen zwei Wochen nicht gelungen, das Feuer zu löschen, sodass nicht nur weiter toxischer Rauch in der Luft liegt, sondern auch die Gefahr einer Explosion besteht."

Die "Cheshire" gehört seit 2012 dem britischen Familienunternehmen Bibby Line aus Liverpool. Das Unternehmen müsse endlich Verantwortung übernehmen, damit eine Naturkatastrophe vor den Inseln verhindert werde, forderte Alemán in "La Vanguardia". Laut "Teneriffa News" hatte sich vergangenes Wochenende bereits eine Explosion auf dem Frachter ereignet. Die 24-köpfige Crew sei daraufhin mit Helikoptern in Sicherheit gebracht worden.

Ein Bergungsunternehmen sei inzwischen im Einsatz, meldet CanaryNews.com - acht Experten aus den Niederlanden und aus Gibraltar seien vor Ort, hätten aber wegen des toxischen Qualms noch nicht an Bord gehen können.

Die Reederei habe bestätigt, dass bisher "alle Bemühungen gescheitert" seien, den Brand auf dem Havaristen unter Kontrolle zu bekommen. Nun solle das Schiff mit dem Grundstoff für Düngemittel oder Sprengstoffe an Bord gekühlt werden.

Die Informationslage sei sehr unklar, beklagte der Meeresbiologe Fabian Ritter von der Organisation Meer e.V., die seit über 20 Jahren auf den Kanaren tätig ist. "Niemand kann sagen, welche Auswirkungen die Fracht der "Cheshire" auf die Meeresumwelt haben wird - selbst wenn sie nicht explodiert." Die einzigartige Artenvielfalt der Inselgruppe müsse unbedingt geschützt werden.

oka/apr/dpa



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