Kaputte "Gorch Fock": Zu viel Rost am Rumpf

Das Segelschulschiff der Deutschen Marine legt eine Zwangspause ein. Rostbefall macht ein Auslaufen der "Gorch Fock" unmöglich. Die Reparaturen könnten bis zum Frühjahr dauern.

"Gorch Fock" in Kiel (Archivbild): Schwerer geschädigt als zunächst angenommen Zur Großansicht
dapd

"Gorch Fock" in Kiel (Archivbild): Schwerer geschädigt als zunächst angenommen

Kiel - Mehr als 740.000 Seemeilen haben an der " Gorch Fock" deutliche Spuren hinterlassen: Der Rumpf des Segelschulschiffs ist durch Rost schwerer geschädigt als zunächst angenommen. Die Bark wird nun wohl bis März 2012 ausfallen, wie ein Marineamtssprecher sagte. Er bestätigte damit einen Bericht des Hörfunksenders NDR 1 Welle Nord.

Eigentlich sollte die Besatzung mit dem Dreimaster noch dieses Jahr zu einer mehrwöchigen Ausbildungsfahrt starten. Bei Instandsetzungsarbeiten im Dock der Kieler Lindenau-Werft waren jedoch Risse im Rumpf entdeckt worden. Die Marine schaltete einen Gutachter ein. Bei weiteren Prüfungen wurde aufgedeckt, dass der Rostfraß größer war als zunächst angenommen, berichtet der NDR unter Berufung auf einen internen Bericht des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe.

Demnach gibt es zwei mögliche Ursachen für das Rost-Desaster. So ist die innere Farbbeschichtung des Rumpfes nicht optimal. Das begünstige den Rostbefall. Auch waren die als Ballast gestapelten Bleibarren nicht isoliert. Im Zusammenspiel von Bilgenwasser, Blei und Stahlrumpf soll es zu Zersetzungen gekommen sein.

Seit Ende Oktober im Dock

Das Segelschulschiff liegt seit dem 24. Oktober im Dock der Kieler Lindenau-Werft. Grund dafür waren eigentlich Routinearbeiten am Schiffsrumpf. Die Ausbildung an Bord des Dreimasters findet derzeit nicht statt. Nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin im November vergangenen Jahres wird das Schulungskonzept der Marine überarbeitet. Die Soldatin war in Brasilien bei der Segelvorausbildung aus der Takelage gestürzt. Ihre Mutter hatte daraufhin schwere Vorwürfe gegen die Schiffsführung erhoben und Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet.

Nach weiteren Meldungen über unhaltbare Zustände an Bord untersuchten Marine und Staatsanwaltschaft die Vorfälle. Die Ankläger in Kiel sahen allerdings keinen Hinweis auf Fremdverschulden.

suc/dapd

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insgesamt 19 Beiträge
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1. .
raka 18.11.2011
Zitat von sysopDas Segelschulschiff der Bundesmarine legt eine Zwangspause ein. Rostbefall macht ein Auslaufen der "Gorch Fock" unmöglich. Die Reparaturen könnten bis zum Frühjahr dauern. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,798730,00.html
Wäre doch _DIE_ Gelegenheit den Kahn sang- und klanglos zu verschrotten, schließlich ist er wohl nicht besonders Gender kompatibel, wie man so liest.
2. Die Lösung ...
rabauz 18.11.2011
Einfach abwracken!
3. ...
vox veritas 18.11.2011
Zitat von sysopDas Segelschulschiff der Bundesmarine legt eine Zwangspause ein. Rostbefall macht ein Auslaufen der "Gorch Fock" unmöglich. Die Reparaturen könnten bis zum Frühjahr dauern. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,798730,00.html
Wer's glaubt wird selig. Die Marine sucht noch immer nach einem geeigneten Kommandanten als Nachfolger für den alten. Den Job will keiner mehr machen.
4. Der...
tutmosis 19.11.2011
Zitat von sysopDas Segelschulschiff der Bundesmarine legt eine Zwangspause ein. Rostbefall macht ein Auslaufen der "Gorch Fock" unmöglich. Die Reparaturen könnten bis zum Frühjahr dauern. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,798730,00.html
...Fachmann spricht auch von Lochfraß. Waschmaschinenheizstäbe müssen aber auch nicht 740000 sm durchhalten. Also... ...wenn ich Blei und (sogar leicht angerosteten) Stahl kontakthaltend unter Bilgenwasser lagere, dann kommt da oxidiertes Blei, ungesundes Bilgenwasser und jungfräulich aussehender Stahl bei heraus. Das Ganze hört sich eher nach einer nicht vorhergesehenen Reaktion des Anstrichs mit dem Blei an. Die gute Nachricht: Mennige war's dann wohl nicht...
5. ---
olleolaf 19.11.2011
Ein wenig Rost... Lächerlich. Der Ruf der Gorch Fock ist mindestens lädiert. Jetzt ist der Kahn durchgerostet...
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Schulschiff "Gorch Fock": Stolz der Marine

Chronologie: Die "Gorch Fock"-Affäre im Überblick
7. November 2010 - Tod aus der Takelage
Bei einer Ausbildungsfahrt in Brasilien stürzt eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage des Dreimasters in den Tod.
19. November 2010 - Offiziere werden abgezogen
Die Offiziersausbildung an Bord wird ausgesetzt. Die gut 70 Offiziersanwärter kehren aus Brasilien nach Deutschland zurück. Das Ausbildungskonzept soll überprüft werden.
18. Januar 2011 - Bericht von Königshaus
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, übermittelt dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und dem Verteidigungsausschuss des Bundestags einen Bericht über die Zustände auf der "Gorch Fock". Es geht um den Vorwurf der Meuterei, sexuelle Belästigung und massiven Druck auf Kadetten beim Aufstieg in die Takelage.
20. Januar 2011 - Rückkehr nach Argentinien
Ein Ermittlungsteam der Marine soll die Vorgänge nach dem Tod der Offiziersanwärterin aufklären. Die "Gorch Fock" kehrt zu ihrem letzten Hafen Ushuaia in Argentinien zurück, bis das Ermittlerteam eintrifft.
21. Januar 2011 - Guttenberg suspendiert Schatz
Guttenberg enthebt den Kommandanten, Kapitän zur See Norbert Schatz, bis zum Abschluss der Ermittlungen seines Postens. Der Öffentlichkeit kündigt er dies per Zeitungsinterview an. Die Opposition kritisiert die Entscheidung als überstürzt. Guttenberg räumt Tage später vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages Informationspannen ein.
28. Januar 2011 - Untersuchungen starten
Das Untersuchungsteam der Marine geht an Bord. In einem offenen Brief an Guttenberg weist die "Gorch Fock"-Besatzung die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück und beklagt fehlenden Rückhalt in der Bundeswehr. Das Ermittlerteam hat zwei Wochen später seine Untersuchungen abgeschlossen. Es befragte 221 Offiziersanwärter und 192 Angehörige der Stammbesatzung.
30. Januar 2011 - Das Schiff segelt heim
Unter dem Befehl des kurzfristig eingeflogenen Kommandanten Michael Brühn macht sich die "Gorch Fock" auf den Weg zurück nach Deutschland.
8. März 2011 - Schatz wird entlastet
Kommissionsleiter Horst-Dieter Kolletschke übergibt Marineinspekteur Axel Schimpf den Marine-Untersuchungsbericht. Das Fazit der Ermittler lautet: Die erhoben Vorwürfe hätten sich "zum großen Teil als nicht haltbar erwiesen".
14. März 2011 - Affäre rückt in den Hintergrund
Für den neuen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sei die Aufklärung der "Gorch Fock"-Affäre keine Chefsache mehr, sagt der stellvertretende Ministeriumssprecher.
16. März 2011 - Eklat im Bundestag
Der Verteidigungsausschuss des Bundestags berät über die "Gorch Fock"-Affäre. Die Sitzung wird ergebnislos abgebrochen, weil das Ministerium noch keine Bewertung abgeben und erst den Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten will.

6. Mai 2011 - "Gorch Fock" trifft in Kiel ein
Nach achteinhalb Monaten läuft das Schulschiff im Heimathafen ein. An Bord: 181 Besatzungsmitglieder. 1500 Angehörige, Besucher und Berichterstatter heißen das Schiff in Kiel willkommen. Die Zukunft des Dreimasters ist ungewiss.
6. Juli 2011 - Der Dreimaster bleibt Schulschiff
Der Bundestag stimmt zu, dass das Schiff weiter zur Marineausbildung genutzt werden soll. Das Lehrkonzept auf dem Viermaster wird allerdings erheblich umgestaltet.