Belästigungsvorwürfe: Ex-Kardinal O'Brien bittet um Vergebung

Kardinal Keith O'Brien: Sexuelles Verhalten hat zeitweilig nicht "den Standards" entsprochen Zur Großansicht
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Kardinal Keith O'Brien: Sexuelles Verhalten hat zeitweilig nicht "den Standards" entsprochen

Vorwürfe der sexuellen Belästigung zwangen Kardinal Keith O'Brien zum Rücktritt. In einer Erklärung entschuldigte sich der einst hochrangige katholische Geistliche für sein Verhalten, dieses habe zeitweilig nicht "den Standards" entsprochen. Nun zieht er sich aus Kirche und Öffentlichkeit zurück.

Hamburg - Die Nachricht kam zum ungünstigsten Zeitpunkt: Kurz vor dem Konklave beschwerten sich ein ehemaliger und drei aktive Priester beim Apostolischen Nuntius in Großbritannien über den Erzbischof von Edinburgh und forderten dessen Entlassung. Kardinal Keith O'Brien, der ranghöchste Vertreter der Katholiken in Großbritannien, trat zurück. Nun bittet er um Vergebung.

In einer schriftlichen Erklärung räumte er Fehlverhalten ein. Bezeichnete er bei seinem Rücktrittsgesuch sein Verhalten gegenüber den Priestern als "unangemessen", so schrieb er nun, sein sexuelles Verhalten habe zeitweilig nicht "den Standards" entsprochen, die von einem Priester, Erzbischof und Kardinal erwartet werden.

Er entschuldigte sich bei allen, die er mit seinem Verhalten verletzt habe, und bat um Vergebung. Er werde sich nun komplett aus der Kirche und der Öffentlichkeit in Schottland zurückziehen.

Der 74-Jährige wird nicht an der bevorstehenden Wahl des neuen Papstes teilnehmen. O'Brien hätte als einziger Geistlicher aus Großbritannien an der Wahl eines neues Papstes in Rom teilnehmen sollen.

Missbrauchsskandal wird Thema bei Generalkongregationen

Am Montag finden im Vatikan erste sogenannte Generalkongregationen zur Vorbereitung des Konklaves für die Wahl eines neuen Papstes statt. Wie viele der Treffen es bis zum Beginn des Konklaves geben wird, ist offen.

Ein Termin für den Beginn der Wahlversammlung soll festgelegt werden, wenn die 115 erwarteten wahlberechtigten Kardinäle, die jünger als 80 Jahre sein müssen, in dem Kirchenstaat eingetroffen sind. Wann dies der Fall sein wird, könnte ebenfalls am Montag absehbar sein.

Bei den Generalkongregationen dürfte intensiv über die Herausforderungen debattiert werden, mit denen sich die katholische Kirche konfrontiert sieht. Dies sind etwa der Missbrauchsskandal und die sogenannte Vatileaks-Affäre. Auch dürfte es bereits Beratungen darüber geben, wer Benedikt XVI. nachfolgen könnte.

Ein älterer Kardinal, der nicht mehr im aktiven Dienst der Kirche steht und nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, anders als der Tod von Papst Johannes Paul II. habe der Rücktritt Benedikts XVI. überrascht, weshalb es nicht viele Vorüberlegungen zu einem Nachfolger gebe.

Benedikt XVI. hatte sich am späten Donnerstagnachmittag mit einem letzten öffentlichen Auftritt in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo von den Gläubigen in aller Welt verabschiedet. Um 20 Uhr endete das knapp achtjährige Pontifikat des 85-Jährigen offiziell.

jjc/AFP

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1. Nein danke.
Meskiagkasher 03.03.2013
Es gibt Vergehen, nach denen es keine zweite Chance gibt.
2.
Eserwe 03.03.2013
Irre ich mich, oder war Kardinal O'Brien nicht einer der Namen der als nach der Rücktrittsankündigung von Benedikt XVI als Nachfolger genannt wurde? Erinnert mich ein bischen an das Klinsmannn-Zitat über den DFB bevor er Bundestrainer wurde: "Im Grunde müsste man den ganzen Laden auseinandernehmen".
3. Öffentlichmachung, nicht Rückzug
kyon 03.03.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Vorwürfe der sexuellen Belästigung zwangen Kardinal Keith O'Brien zum Rücktritt. Nun entschuldigte sich der einst hochrangige katholische Geistliche für sein Verhalten, dieses habe zeitweilig nicht "den Standards" entsprochen. Nun zieht er sich aus Kirche und Öffentlichkeit zurück. http://www.spiegel.de/panorama/kardinal-keith-o-brien-entschuldigt-sich-fuer-belaestigung-von-priestern-a-886631.html
Schade, dass sich der spät, aber immerhin bereuende "Sünder" sein übergriffiges Verhalten auf der Basis seiner homoerotischen Neigungen aus der Kirche und der Öffentlichkeit zurückziehen will und nicht sein persönliches Dilemma zum innerkirchlichen und öffentlichen Disput nutzt, wodurch er ein wenig "Wiedergutmachung" leisten würde bezüglich der Opfer seiner sexuellen Übergriffe und bezüglich der beklagenswerten Situation, in der sich Homosexuelle in der RKK befinden.
4. Gääähn
Maulwurfn 03.03.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Vorwürfe der sexuellen Belästigung zwangen Kardinal Keith O'Brien zum Rücktritt. Nun entschuldigte sich der einst hochrangige katholische Geistliche für sein Verhalten, dieses habe zeitweilig nicht "den Standards" entsprochen. Nun zieht er sich aus Kirche und Öffentlichkeit zurück. http://www.spiegel.de/panorama/kardinal-keith-o-brien-entschuldigt-sich-fuer-belaestigung-von-priestern-a-886631.html
Gottchen. Katholische Kirchen-Authoritäten sind schwul. Erzählt mir was neues. Schlimm ist nur, dass nach wie vor Millionen beeinflussbarer Naturen an deren Lippen hängen, u.a. in Afrika, wo Schwulsein dann doch auf die eine oder andere Weise (Todesurteil, Lynchmob) zum vorzeitigen gewaltsamen Ableben führen kann, weil man dort an den eben noch von willigen Nachwuchspriestern geküssten Kardinals-Lippen hängt, die Homophobie verbreiten, zelebrieren, verkünden, befehlen. Mattusek oder wie du heißt. ERKLÄR' ES MIR!
5. Ach was ...
brennholzverleiher 03.03.2013
Zitat von MeskiagkasherEs gibt Vergehen, nach denen es keine zweite Chance gibt.
Ach was ... er wollte doch bloß spielen .. lol
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