Kardinal Meisner zu Katholiken "Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische"

Kardinal Meisner hat mit einer Äußerung zum Kinderreichtum muslimischer Familien Empörung ausgelöst. Eine katholische Familie ersetze ihm drei muslimische. Der Zentralrat der Muslime sprach von "Sarrazin-ähnlichen Äußerungen".

Meisner am 24. Januar 2014 im Kölner Maternushaus: Kardinal in der Kritik
Erzbistum Köln

Meisner am 24. Januar 2014 im Kölner Maternushaus: Kardinal in der Kritik


Köln - Muslime sind empört, die Bundesregierung äußert ihr Unverständnis: Der Kölner Kardinal Meisner hat bei einer Veranstaltung vor Mitgliedern der katholischen Bewegung Neokatechumenaler Weg erklärt: "Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien." Ein Video der Rede, die Meisner am 24. Januar hielt, hat das Erzbistum Köln ins Internet gestellt.

Domradio.de zufolge machte der Kölner Erzbischof die Äußerung im Zusammenhang mit der großen Glaubenskraft von katholischen Eheleuten, die zehn Kinder hätten.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", er sehe hinter Meisners Worten den Versuch, "sich mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern". Der 80-jährige Meisner scheidet voraussichtlich im Februar aus dem Amt aus.

Der Kardinal bediene Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, "die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen. Statt einander abzuwerten, sollten die Religionen einander stützen und schätzen", sagte Mazyek.

Auch Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte dem Blatt, er sei sprachlos. "Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren - ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft." Die Aussage des Kardinals dürfe nicht unbeantwortet bleiben.

Für seine Worte erntete Meisner auch aus den Reihen der Bundesregierung Kritik. Die neue Integrationsbeauftragte, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), sagte der Zeitung, sie wolle die Äußerung nicht kommentieren. Es handele sich jedoch um die "persönliche Meinung eines katholischen Würdenträgers", die sie nicht verstehe.

Sven Lehman, Vorsitzender der NRW-Grünen, sagte SPIEGEL ONLINE: "Lasset die Kinder zu mir kommen, denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich - so heißt es im Neuen Testament. Für Herrn Meisner gehören muslimische Kinder offenbar nicht dazu. Mit seinen Äußerungen zeigt Meisner einmal mehr, dass er nicht zu einer Metropole der Vielfalt wie Köln passt und nie passte."

Bisher nahm Meisner zur Kritik nicht Stellung, das Erzbistum Köln konnte am Mittwochvormittag nicht sagen, ob er sich äußern wird.

Meisner hatte dem Kölner Erzbistum zufolge im Rahmen einer Buchvorstellung im Kölner Maternushaus gesprochen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung habe der Vortrag des Spaniers Kiko Argüello gestanden, der den Neukatechumenalen Weg 1964 gegründet hatte.

Die Glaubensbewegung ist vom Vatikan anerkannt. Erst im September 2013 empfing Papst Franziskus Argüello in Rom. Nach eigenen Angaben ist der Neukatechumenale Weg in 105 Nationen und mehr als 900 Diözesen vertreten. Demnach gibt es weltweit über 20.000 Gemeinschaften und mehr als 70 Priesterseminare. Die Anhänger haben es sich zur Aufgabe gemacht, Christen langfristig zu begleiten - meist in einer kleinen Gemeinschaft. Kritiker werfen der Gruppe konservative Anschauungen vor.

Laut domradio.de waren rund 800 Menschen bei der Veranstaltung, darunter auch sieben Bischöfe und der deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes.

gam/ala/jdl

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
Basiscreme 29.01.2014
1. Liebe Muslime,...
...bitte um Nachsicht, die unwürdigen Äusserungen des Kardinals sind nicht repräsentativ für die Deutschen. Einige, meist ältere Katholiken haben nicht verstanden, dass in Deutschland Religionsfreiheit herrscht, ebenso Werte wie Toleranz und multikulturelle Offenheit. Hass gibt's schon zuviel auf der Welt, leider wird das von einigen "Geistlichen" vergessen. Also, einfach überhören. Danke.
volker_morales 29.01.2014
2. Kein guter Stil!
Wer sich als Bischof auf Kosten anderer Religionen profilieren will, handelt nach meinem Verständnis nicht wie ein guter Christ, sondern wie ein Stammtischpolitiker, der bei seinen Wählern gut ankommen möchte. Richtig ist allerdings, dass muslimische Familien in Deutschland vergleichsweise kinderreich sind, und prognosegemäß der Anteil der "Volksdeutschen" in Deutschland bereits in 30 Jahren voraussichtlich unter 50% der Gesamtbevölkerung liegen wird. Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen westlichen Ländern erkennbar. Wenn also Meisner den Kinderreichtum einzelner westlicher Familien lobt, ist das eigentlich nicht per se zu kritisieren. Das Herabsetzen der muslimischen Familien ist jedoch nicht in Ordnung.
kosamm 29.01.2014
3. schlimm
Ich mag den Islam nicht und auch nicht den Katholizismus. Was dieser radikal konservative Meisner dort raushaut ist Volksverhetzung pur. Es dient keinesfalls einem friedlichen Zusammenlebens unserer Gesellschaft. Im Gegenteil, es schürt niedere Instinkte. Ich bin froh, dass des Kardinals Giftspritze bald ausgedient hat.
Mannheimer011 29.01.2014
4. 10 Kinder?
Welche katholischen Eheleute in Deutschland haben zehn Kinder? Die die 10 Kinder haben und katholisch leben, dürfte man einer Hand abzählen können. Ansonsten ist ein derart ausgeprägter Kinderreichtum eher auf mangelnde Verhütung als auf eine religiöse Einstellung zurückzuführen.
halliburtonium 29.01.2014
5. Beide
die Muslime und die Römisch Katholischen lassen sich mal wieder auf einen disqualifizierenden "Schlagabtausch" in den Medien ein. Die Beiden "Organe" sind die letzten, die auch nur daran denken sollten, einen Stein aufzuheben, geschweige denn zu werfen. Ob nun die gleiche Dimension des Beleidigtseins von den ""Römern" ins Feld geführt worden wäre, sei dahingestellt. Nichts Neues, nur anders verpackt...
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