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Entwürfe für Kölner Rosenmontagszug: Die Kanzlerin und die harten Nüsse

Rosenmontagszug in Köln: Die Kanzlerin als Nussknacker Fotos
DPA

Einige Motivwagen beim Rosenmontagszug in Köln werden in diesem Jahr auch der Flüchtlingsfrage gewidmet sein. Wenn man den Karnevalisten glauben mag, könnte sich die Kanzlerin an dem Thema die Zähne ausbeißen.

Zu den Motiven der Kölner Rosenmontagswagen gehört in diesem Jahr eine melancholische Angela Merkel mit einer schlaffen Europa-Flagge in der Hand. Auf einem anderen Wagen steht die Kanzlerin als Nussknacker neben einer Schale mit riesigen harten Nüssen - es geht um ihre Beteuerung "Wir schaffen das". An einer Nuss mit der Aufschrift "Flüchtlinge" hat sie sich schon zwei Zähne ausgebissen.

Die Merkel-Motive gehören zu vielen anderen Entwürfen, die die Kölner Karnevalisten nun vorgestellt haben. Als ein Statement gegen Extremismus versteht Zugleiter Christoph Kuckelkorn einen Oktopus mit Hitler-Schnäuzer, der nach der Demokratie greift - die Fangarme sind Hooligans, Pegida, NSU, Hogesa, Neonazis, Salafisten und die AfD. Auch der VW-Skandal, die russische Unterstützung für den syrischen Staatschef Assad und viele Kölner Lokalthemen werden aufgegriffen, etwa das leidige Problem der Wildpinkler am Dom.

Einige Wagenmotive greifen auch die Stimmung in der Stadt nach den Übergriffen in der Silvesternacht auf, so das Motiv "Sehstörung": Mutter Colonia schaut durch eine zerstörte rosa Brille, desillusioniert, entgeistert über das, was die Stadt etwas entzaubert habe, und unglücklich darüber, wie Köln derzeit nach außen wirke, sagte Kuckelkorn.

Zusätzliche Polizisten und Ausbau des Funknetzes

Im vergangenen Jahr hatten sich die Kölner bei der Vorstellung der Wagenentwürfe ziemlich blamiert. Zuerst kündigten sie an, über ein Motiv zum Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" abstimmen zu lassen. Dann aber zogen sie den Gewinnerentwurf zurück, weil es einige Karnevalisten mit der Angst zu tun bekamen.

Der Kölner Karneval wird dieses Jahr von den Übergriffen an Silvester überschattet. Dennoch vertritt das Festkomitee Kölner Karneval von 1823 - eine Art närrisches Zentralkomitee - den Standpunkt, die Feierlaune in der Stadt sei ungetrübt und nicht schlechter als in anderen Jahren.

Trotzdem will die Polizei das närrische Treiben so stark überwachen wie noch nie. Mehrere Hundert Polizisten von außerhalb sollen die Beamten in der Stadt unterstützen. Zudem sollen mehr als hundert zusätzliche Kontaktpunkte im Funknetz geschaffen werden, kündigte Zugleiter Kuckelkorn an. Insgesamt seien dann etwa 200 Funkpunkte vorhanden. Wenn es irgendwo ein Ereignis geben sollte, das Anlass zur Sorge gebe, könne man die Einsatzzentrale sofort informieren.

Braunschweig will Polizeipräsenz an Karneval verdoppeln

Die Kölner Polizei hatte bereits angekündigt, dass sie an den Karnevalstagen Anfang Februar in ungekannter Stärke auf den Straßen präsent sein will. Außerdem soll die Videoüberwachung an Brennpunkten intensiviert werden.

Auch in anderen Zentren des Karnevals wirken sich die Übergriffe von Köln auf die Planung aus. In Mainz will die Polizei für hilfesuchende Frauen zusätzliche Anlaufstellen entlang der Route des Rosenmontagszugs bereitstellen. Zudem hat die Landesregierung in Rheinland-Pfalz angekündigt, an Fastnacht mehr Videokontrollen und mehr mobile Eingreiftruppen einsetzen zu wollen.

Auch die Polizei in Braunschweig reagiert auf die veränderte Lage: Die Verantwortlichen wollen beim diesjährigen Karneval mindestens doppelt so viele Beamte einsetzen wie im vergangenen Jahr. "Wir können nicht einfach an das Sicherheitskonzept der Vergangenheit anschließen", sagte Polizeipräsident Michael Pientka.

2015 war der Braunschweiger Karnevalsumzug, der sogenannte Schoduvel, nach einer Terrorwarnung abgesagt worden. Auch die Videoüberwachung an besonders belebten Orten wird beim Umzug am 7. Februar ausgeweitet. Der Braunschweiger Karnevalszug gilt als der größte in Norddeutschland. Es werden bis zu 300.000 Besucher erwartet.

ulz/dpa/Reuters

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