Karneval in Rio: König Momo und die Kriminalität

Der Karneval in Rio ist eine schweißtreibende Angelegenheit: Bei Temperaturen von über 30 Grad bringt selbst das knappeste Kostüm keine Kühlung. Für Touristen ist Vorsicht geboten - zahlreiche Überfälle überschatten das rauschhafte Treiben.

Rio de Janeiro - Seitdem "König Momo" in Rio de Janeiro stellvertretend für alle Karnevalsnarren das Regiment von Bürgermeister Eduardo Paes übernommen hat, herrscht Ausnahmezustand. Das Motto: feiern, feiern, feiern. In der "Cidade maravilhosa" ("Wunderbaren Stadt") haben Hunderttausende Brasilianer und Touristen aus aller Welt die Hochsaison des Karnevals eröffnet.

"Moulin Rouge"-Tänzerin: Global erotisch
AP

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Seitdem ziehen bei der "größten Party der Welt" fantasievolle Motivwagen und bunte Samba-Gruppen durch die Straßen und das weltbekannte Sambódromo. Dort kämpfen am Sonntag und Rosenmontag die zwölf besten Sambaschulen um die Meisterschaft und ziehen mit gigantischen Umzugswagen und tausenden leichtbekleideten Tänzern und Tänzerinnen in prunkvollen Kostümen durch das Stadion.

Für Abkühlung besteht kaum Hoffnung: Die Feiernden sind bei schweißtreibenden Temperaturen von über 30 Grad unterwegs.

Bürgermeister Paes überreichte dem dicken König am Freitag (Ortszeit) symbolisch die Stadtschlüssel. Traditionell fiebert ganz Rio den Festzügen der Sambaschulen entgegen.

Doch die Freude ist in diesem Jahr getrübt, denn seit kurzem häufen sich die bewaffneten Raubüberfälle, Opfer sind auch viele ausländische Karnevals-Touristen.

In der Nacht zum Donnerstag überfielen Banditen 34 Reisende aus den USA, Großbritannien, Argentinien und anderen Ländern in einem Billighotel im Stadtzentrum. Sie zwangen sie, ihr Bargeld und Wertgegenstände wie iPods und Kameras herauszurücken. Nur einen Tag zuvor wurden in einer Herberge im berühmtem Stadtteil Copacabana mit seinem vier Kilometer langen Sandstrand 13 Touristen ausgeraubt, unter ihnen elf Israelis. Glück im Unglück hatten sechs Deutsche und vier Amerikaner im Süden von Rio, auf die es zwei Räuber abgesehen hatten: Zufällig kreuzte eine Patrouille von Militärpolizisten auf, die Angreifer ergriffen die Flucht.

Fast hundert Ausländer wurden seit Monatsbeginn Opfer solcher Überfälle, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch der Bürgermeister will von besonderen Problemen mit der Bandenkriminalität zum Karnevalstrubel nichts wissen. "Rio hat seine Probleme - und wir arbeiten daran, sie zu überwinden", sagt Paes. Derartige Zwischenfälle seien "ganz schlecht", aber die Polizei bemühe sich, die Verantwortlichen zu finden. Schmunzelnd fügt er hinzu, ab sofort sei "König Momo für alle Probleme der Stadt verantwortlich".

Rio, das 2016 die Olympischen Sommerspiele austragen will, stellte sich zu den Karnevalstagen auf mehr als 700.000 Besucher ein, davon ein Drittel aus dem Ausland. Für die Sicherheit während des Karnevals sind 9800 Polizisten zuständig. Fernando Veloso, der Chef der Touristenpolizei, versichert, dass seine Truppe schnell reagiere. Er verweist darauf, dass hauptsächlich Brasilianer Opfer der grassierenden Kriminalität seien. Amtlichen Angaben zufolge gab es beim letztjährigen Karnevals mehr als 1300 Raubüberfälle. Nur 117 davon betrafen Ausländer. Außerdem wurden 80 Morde registriert.

Veloso räumt ein, dass die jetzigen Vorfälle für Rio einen beträchtlichen Imageschaden bedeuten. Auf die Kandidatur der Stadt für Olympia dürften sie seiner Ansicht nach jedoch keine Auswirkungen haben. Mit Kriminalität hat nach seinen Worten "jede große Stadt" zu kämpfen. Sollte Rio de Janeiro Madrid, Chicago und Tokio aus dem Feld schlagen, würden die Olympischen Spiele erstmals in einer südamerikanischen Stadt stattfinden. Die brasilianische Regierung will in diesem Fall umgerechnet 11,3 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, um Rio zu modernisieren - und sicherer zu machen.

hoc/AFP/dpa

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